Mein schöner schöner Geldbeutel! Schluchz!

Letzten Mittwoch bin ich um ein Uhr von zu Hause aufgebrochen um zur Uni zu gehen. Ich bin zur Bushalte gelaufen, in den Bus gestiegen, einmal umgestiegen und dann an der Uni angekommen. In der ersten Zwischenpause um drei Uhr wollte ich Moni bitten, mir etwas zu essen mitzubringen und siehe da: mein Geldbeutel war weg! Meine Freunde meinten, dass ich den sicher zu Hause vergessen hätte und da ich an dem Tag ein bisschen in Eile gewesen war, habe ich es ihnen so halbwegs abgenommen. Ich bin aber trotzdem mit einem ungutem Gefühl im Unterricht gesessen. je später es wurde, desto aufgeregter war ich und desto sicherer, dass ich ihn nicht daheim liegen lassen hatte. Um fünf bin ich dann heim gefahren und Rebecca die Gute ist noch mit zu mir weil ich so aufgeregt war. Und tatsächlich war er weg: mein schöner Geldbeutel!

Wir haben alles abgesucht und er ist nicht mehr aufgetaucht. Jeder, der mich besser kennt, weiß, wie sorgfältig ich mit meinen Sachen bin. Noch nie habe ich ein Handy, einen Geldbeutel oder etwas Ähnliches verloren. Daher lag der Schluss, dass er geklaut wurde nahe! Und gerade hier in Istanbul ist das nun wirklich an der Tagesordnung. Er wurde meinem Kumpel Mirco, dem Vater von meiner Freundin Katharina und der Freundin meines Mitbewohners Yasmin (ihr sogar zwei mal) schon geklaut. Ich habe echt keine Ahnung wie es passieren konnte, ich war in keinem Gedränge oder so und habe echt auf meine Sachen aufgepasst. Aber so was passiert hier wohl eben.

In dem Geldbeutel waren 100 Lira (ca. 50 &euro, mein Studentenausweis, meinen Personalausweis, meine Bankkarte, meine Kreditkarte und meine Aufenthaltsgenehmigung. Daher war der erste Schritt, dass ich die Karten habe sperren lassen. Dazu habe ich die Citibank angerufen und wurde ca. 4 Mal durch die Gegend verbunden, bis alle beide Karten gesperrt und neue beantragt waren. Die Neuen bringen mir dann meine Eltern mit, wenn sie mich nächstes Wochenende besuchen kommen. Solange habe ich glücklicherweise noch meine Raiffeisenbankkarte, die ich nie dabei hatte, weil ich hier nur von der Citibank abgehoben habe (da war es kostenlos).

Donnerstagmorgens bin ich dann erst einmal zu meiner Betreuerin und habe sie gefragt was ich jetzt als nächstes machen soll. Sie war voll lieb und hat mir einen Kakao ausgegeben. Dann hat sie gesagt, ich müsse zur Polizei und das ganze melden, da ich sonst keinen neue Aufenthaltsgenehmigung bekommen würde. So habe ich dann Yusuf angerufen, der 2,5 Stunden später kam und mit mir zur Polizei ist. Das hat sich als klug erwiesen, weil die uns erst gar nicht dran nehmen wollten. Da seien sie nämlich nicht zuständig und wir müssten dahin gehen wo ich den Geldbeutel verloren habe. Da ich das aber doch gar nicht weiß, hat sich Yusuf durchgesetzt und sie haben meinen Fall aufgenommen. Mit der Bestätigung in der Tasche ging ich wieder in die Uni, wo meine Betreuerin mittlerweile herausgefunden hatte, dass ich einige Formulare ausfüllen und damit dann zur Ausländerpolizei gehen müsse um eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen.

So habe ich mich dann am Donnerstag durch die Formulare gewühlt und bin am Freitag morgen losgezogen. Katharina ist netterweise mitgekommen um mich seelisch und sprachlich zu unterstützen! Ich war echt durch den Wind letzte Woche, von daher war das voll gut…

Auf dem Amt habe ich nämlich dann wirklich noch starke Nerven gebraucht! Wir waren so um viertel vor zehn dort und haben uns erst mal dem hier allgegenwärtigen und obligatorischen Sicherheitscheck unterzogen. Nachdem sicher war, dass wir keine Bomben und auch kein MG dabei hatten durften wir ins Gebäude. Dort wurde erst einmal unser Pass begutachtet und registriert, dass wir jetzt auch wirklich da sind (für den Fall dass wir uns irgendwo verstecken und aus einem Kugelschreiber und ein bisschen Knetgummi eine Bombe basteln könnten). So weit so gut. Dann haben wir auf einer schönen Hinweistafel sogar noch auf Anhieb gefunden wo die Abteilung ist, zu der wir mussten. Das war zu viel des Guten, so konnte es schließlich nicht weiter gehen.

Dort angekommen gab es nämlich ca. 10 verschiedene Schalter für verschiedene Angelegenheiten: Erstantrag, Verlängerung, Kasse und und und. Leider aber keinen für Leute, deren Aufenthaltsgenehmigung verloren gegangen oder geklaut worden ist (kommt ja hier so selten vor oder was?). Also haben wir uns eben auf gut Glück einige Minuten lang wo angestellt bis uns aufgefallen ist, dass die ganzen anderen Leute kleine Zettel mit Nummer haben. Da hätten wir auch gleich dran denken können, aber wir waren an keinem Automaten vorbeigekommen. Auf Nachfrage wurde uns gesagt wo wir eine bekommen können: einfach fünf mal um die Ecke den Gang entlang und da wo es am dunkelsten ist und du es gar nicht erwartest. ;-)

Das Schärfste war, dass ich einen Automaten erwartet hatte. Aber Birgit! Nicht doch bei der Polizei! Bei der Post oder der Bank ja, aber bei der Polizei doch nicht! Tztztz. Schade, dass ich das nun wirklich nicht fotografieren konnte, aber da saß im letzten Eck eine Polizistin auf einem Stuhl und hatte drei oder vier verschiedene kleine Blöckchen auf die sie selbst die Nummern schrieb. Ein Block für jede Art von Schalter. Nach einem kurzen Blick auf mein eigens verfasstes türkisches Bittschreiben (drei fehlerfreie Zeilen da von Yusuf korrigiert) hat sie mir dann einen Zettel in die Hand gedrückt, der mich dazu berechtigte, mich bei der Erstbeantragung anzustellen. Und wie habe ich mich gefreut als ich da die zweite war und sofort dran kam. Und wie habe ich geflucht als ich weiter geschickt wurde und zwar so, dass ich kein Wort verstanden habe. Aber mit einigen eloquenten Gesten und dem mehrfachem Wiederholen des Wortes Index Cards Office wurde mir / uns dann klar, wo ich hinsollte. In diesem Miniraum war eine lange Theke mit drei Polizisten. Die hatten immer so lange einen Heidenspaß miteinander bis der Chef außen mal wieder vorbei lief. Alle „Kunden“ in diesem Raum wurden die Theke entlang weitergeschoben und wenn man Glück hatte (so wie ich) bekam man von jedem der netten Männer einen Stempel oder zwei!

Dann bin ich also zurück zu meinem ersten Polizisten. Dort habe ich einige Zeit gewartet, brav in der Schlange. Freudig habe ich seinem Kollegen meine Papiere entgegen gestreckt  mit der Erwartung: Stempel  = Aufenthaltsgenehmigung. Wieder ein Irrtum, denn dafür wollte der gute Mann nicht verantwortlich sein. Da hat er mich gleich mal zu den drei Verlängerungsschaltern geschickt, von denen nur zwei besetzt waren und eine ganz schöne Schlange war…Nach einigen Minuten ist mir aufgegangen, dass ich schon wieder keine Nummer hatte. Mist! Also bin ich zu der netten Dame mit den Nummern und habe mit Bestimmtheit sagen können, dass ich eine Nummer für die Verlängerungsschalter brauche. Und soll ich euch was sagen: Das hat sie mir nicht geglaubt! Sie hat mit mir das Diskutieren anfangen wollen, wobei sie mit meinen miserablen Türkischkenntnissen und meinen blanken Nerven nicht gerechnet hatte. Irgendwann habe ich ihr dann solange mein Bittschreiben unter die Nase gehalten bis sie es auch gelesen hat und mir zugestimmt hat, dass ich tatsächlich eine Nummer für die Verlängerungsschalter benötige. Und da gab sie mir die Nummer 66. Die weitreichende Bedeutung dieser Nummer wurde mir klar, als ich zum Schalter kam und gerade jemand mit der Nummer 43 oder so dran war… heul! Also haben wir gewartet und gewartet und gewartet und immer wenn wir der 66 näher gekommen sind tauchte wie von Zauberhand wieder jemand auf, der irgendwoher die Nummer 23 hatte… Und genau dann hat es meistens besonders lange gedauert L. Schließlich war es kurz nach zwölf Uhr und die Nummer 65 war an der Reihe! Mensch habe ich mich gefreut. Und dann sagt der gute Mann irgend etwas von Mittagspause und nach eins dann wieder und schwupps waren alle anderen aus der Schlange verschwunden. Ich hatte gar keine Lust bis nach der Pause zu warten und habe deshalb einfach auf dumm gemacht und bin stehen geblieben. Und tatsächlich hat er sich meine Sachen noch angeschaut. Und mir dann gesagt, dass ich nach eins wieder kommen muss…Freunde, ich kann euch sagen, das war der Punkt an dem ich echt keinen Bock mehr hatte. Also gut, habe ich eben bis ein Uhr gewartet und mich in der Zwischenzeit von so einem affektiertem deutschen Ingenieur oder so volltexten lassen. Und dann war ich tatsächlich fast gleich an der Reihe. Und der gute Mann hat gemacht was ich erwartet hatte: mein Zeugs bearbeitet und mich an den nächsten Schalter geschickt. Dort haben sie mir dann aber glücklicherweise nur noch 35 € an Gebühren abgenommen und mir einen Abholschein in die Hand gedrückt. Um 13:45 habe ich den Himmel wieder sehen können!!! Mensch war das schön!

Nächste Woche kann ich dann hin und mir die neue Aufenthaltsgenehmigung abholen. Schade, dass ich das alles weder filmen noch fotografieren konnte… Das wären Erinnerungsfotos geworden.

Aber Leute: eigentlich ist es doch auf einem deutschen Amt manchmal auch nicht viel anders oder? (Guckt nicht so böse Sandra und Steffie und Dani, euch meine ich nicht!!!). Da versteht man oft auch kein Wort von dem, was die einem da sagen, selbst wenn es in deutsch ist ;-).

In diesem Sinne drückt mir die Daumen für meinen nächsten Amtsbesuch!

(Übrigens: Kennt jemand von euch den Asterix-Film in dem er durch so ein altes römisches bürokratisches Amt hechtet um einen Antrag zu bekommen und dabei halb irre wird? der ist echt gut&hellip

Liebe Grüße

Birgit

 

18.12.06 17:55

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