Meine Uni

Als ich mich für das Auslandssemester an der Bosporus University beworben habe, hatte ich keine Ahnung von deren Ruf. Das erste Mal habe ich eigentlich vom Dönermann meines Vertrauens in Nürnberg das entsprechende Feedback bekommen, das je nach Stimmung zwischen einem bewunderndem Blick, hysterischer Begeisterung und einem halben Kniefall liegen kann. Ich habe mittlerweile also herausgefunden, dass meine Uni hier zumindest eine der beiden besten Unis hier in der Türkei ist (man ist sich nicht ganz einig, ob es die eine in Ankara ist oder unsere).

Für türkische Studenten ist es schwierig überhaupt einen Studienplatz zu bekommen. Es gibt hier so viele Leute die studieren möchten, dass die Studienplätze einfach nicht reichen. Darum gibt es hier die ÖSS, eine zentrale Aufnahmeprüfung für alle Unis. Je besser man abschneidet, desto eher kann man sich aussuchen, an welcher Uni man denn nun studieren möchte bzw. ob man überhaupt einen Studienplatz bekommt.

Manche an meiner Uni bilden sich da glaube ich schon ein bisschen was drauf ein. Andere belächeln das einfach nur ein bisschen oder äußern sich gar nicht dazu (was mir natürlich wesentlich lieber ist). Manchmal versuchen Leute einem ein bisschen das Gefühl zu geben, dass man ja froh sein kann, dass man überhaupt mal zwei Semester an ihrer geheiligten Eliteuni verbringen darf, aber meistens werden wir nicht weiter beachtet, weil es so viele Austauschstudenten dort gibt (140).

Die Uni besteht aus mehreren Kampi. Der schönste ist der Südkampus, von dem habe ich euch schon einige Bilder unter ringo.com gestellt. Die anderen sind nicht so sehenswert, deswegen wirbt die Uni auch hauptsächlich mit dem Südkampus.

In den Kursen ist es schon anders als in Deutschland an meiner Uni. Wir sind in sehr vielen regulären Kursen nur zwischen 10 und 30 oder 40 Studenten. Kurse, die mehr als 60 Studenten belegen wollen werden normalerweise in mehrere Gruppen aufgesplittet, so dass man dann wieder nur so um die 30 Personen ist. Das ist auf der einen Seite angenehm, weil man eher mal was fragen kann. Auf der anderen Seite ist man natürlich auch mehr gefordert, weil man auch eher was sagen muss und der Lehrer einen eher kennt. Oft ist es nämlich nicht so wie bei uns in den Vorlesungen (der Prof erzählt und wir schreiben mit oder hören zu, tragen aber nicht wesentlich zur Vorlesung bei). Teilweise ist es ganz wie in guten alten Schulzeiten: Frage und Antwort und Tafelanschrieb. Natürlich aber auf einem höheren Niveau als damals und nicht die ganze Stunde über. Aber mehr einbringen muss man sich hier schon.

Die Türken können eine einjährige Vorbereitungsklasse besuchen, in der sie anständig e

Englisch lernen. Bei manchen merkt man davon allerdings nicht viel… Aber es sind auch welche dabei, die echt was drauf haben und das nicht nur in der englischen Sprache. Da kann die Birgit nur da sitzen und staunend gucken was denen so alles einfällt ;-).

Meine Kurse sind eigentlich alle ganz in Ordnung. Was mich sehr stresst ist allerdings mein VWL-Kurs. Ich bin gezwungen hier mindestens einen pro Semester zu belegen weil ich hier für VWL eingeschrieben bin (weil die Verträge zwischen den Unis über die VWL Lehrstühle laufen). Und ich finde es zwar schon interessant (ich habe internationale VWL belegt) aber es fällt mir schwer den ganzen Theorien zu folgen.

Am Montag hatte ich ja wie schon gesagt mein erstes Midterm. Hier hat man nämlich nicht nur eine Klausur zum Schluss, sondern eine oder zwei unter dem Semester und dann noch eine am Ende. Je nach Lehrer zählen die Midterms dann so zwischen 20 und 50% für die Endnote.

Meine erste ist jedenfalls wohl nicht so toll gelaufen. Die Lernfragen waren ganz in Ordnung, aber dann waren zwei Denkfragen mit sehr hohen Punktzahlen und die sind für mich zu schwer gewesen. Die habe ich leider nicht hinbekommen…

Es besteht allerdings noch eine Hoffnung: hier ist es ganz oft so, dass die Notenschritte nicht vorher festgelegt werden, sondern sich die erforderlichen Punktzahlen danach richten, wie die Gesamtheit abschneidet. Das heißt, wenn alle anderen auch nicht so gut waren, kann es sein, dass ich es trotzdem einigermaßen anständig bestanden habe. Toi, toi, toi… *g*

Was ganz toll an der Uni ist, ist das billige Essen, das man an verschiedenen Orten haben kann. Man hat zum einen die Möglichkeit, in die Mensa zu gehen. Da zahlt man ca. 1,30 € und dafür bekommt man dann eine Suppe, einen Teller Hauptgericht, einen Teller kleineres Hauptgericht und einen Nachtisch. Außerdem im Preis drin ist Wasser soviel man mag und Brot. Das Essen ist halt tagesformabhängig, aber manchmal gar nicht schlecht und auf jeden Fall ziemlich ausgewogen. Dann gibt es mehrere Kantinen, in denen man Sachen wie Hamburger, Toast oder Salat gibt. Da sind die Preise sehr unterschiedlich, aber in der einen kriegt man einen frischen Hamburger (belegt mit Fleisch, Gurke, Tomate und ein paar Pommes) schon für ca. 80 Cent. Also verhungern muss man da nun echt nicht, außer man kann sich nicht entscheiden, wo man denn jetzt essen mag.

Blöd ist, dass es in den Gebäuden kaum Möglichkeiten gibt, mal in Ruhe zu lernen. Die Bibliothek ist auf dem Nordkampus, der dann doch ein Stück weg ist vom Südkampus und dort gibt es nur einen einzigen großen Raum, in dem aber auch ganz normal gegessen und getrunken und geraucht und geredet werden darf à nicht gerade zum Lernen geeignet… Aber ich habe eh nicht so arg viele Freistunden, so dass mir das nicht zu viel ausmacht.

Im Übrigen gibt es auf dem Kampus auch mehrere Banken, ein Postamt, Ärzte (die Studenten kostenlos behandeln!!!), ein Schreibwarengeschäft, einen Friseur und vieles mehr… Man kann da also doch schon einiges erledigen unter dem Tag wenn man mag. Das liegt natürlich auch daran, dass da zwei Wohnheime auf dem Kampus sind, so dass es auch abends mal noch Kunden gibt…

So, alles in allem gefällt mir die Uni hier also schon gut! Es ist mal ein Erlebnis aus dieser Nürnberger Anonymität herauszukommen. Ob die Uni hier besser ist oder ich auf Dauer tauschen wollen würde kann ich aber nicht sagen… Dazu fehlt mir einfach noch ein bisschen mehr Einblick in das Ganze.

Ich hoffe, ihr findet interessant was ich geschrieben habe, ich wurde schon mehrmals in E-Mails darum gebeten, etwas von der Uni zu erzählen…

Liebe Grüße

Birgit

2.11.06 21:20

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Thomas (3.11.06 11:57)
Sehr interessanter Text und auch schön geschrieben! lg thomas

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