Istanbul und seine Menschen

Was mich bisher am meisten an Istanbul fasziniert sind die Menschen hier. Es ist der Wahnsinn! Hier gibt es wirklich nichts was es nicht gibt und manchmal prallen Welten aufeinander.

Zum einen gibt es hier wesentlich weniger Frauen mit Kopftuch als man glaubt. Es kommt natürlich auch ein bisschen auf das Viertel an, in dem man sich bewegt, aber im Allgemeinen hatte ich doch mehr erwartet. In der Uni zum Beispiel gibt es dann doch einige. Für mich ist das schwer zu begreifen, da ich das Kopftuch bisher immer mit konservativ und Heimchen am Herd gleichgesetzt habe. Tatsache ist, dass es sehr selbstbewusste und kluge junge Frauen gibt, die ein Kopftuch tragen und trotzdem genau wissen, was sie wollen. In der Uni tragen sie meistens noch eine Mütze darüber, da es in der Türkei in öffentlichen Gebäuden (Verwaltung, Schule&hellip verboten ist, das Kopftuch zu tragen. Das mit der Mütze ist also ein kleiner Trick um das Verbot zu umgehen. Mützen sind nämlich nicht verboten…

Im Bus trifft man auf Geschäftsfrauen, die man sich westlicher kaum vorstellen könnte. Mit schicken Kostümen und Handtaschen oder Aktenkoffern ausgestattet stöckeln sie in ihren High-Heels durchs Leben. Eine von ihnen habe ich bei unserer Wohnungssuche kennen gelernt und sie hat uns dann ein bisschen von ihrem Leben erzählt, dass sie hauptsächlich damit verbringt auf Geschäftsreise zu sein. Diese Frauen machen den Männern hier ordentlich Konkurrenz und sie verdienen vergleichsweiße wohl auch ganz ordentlich.

Alte Menschen gibt es hier auch, aber nicht so viele wie in Deutschland. Um die 60 % der Türken sind jünger als 30 Jahre! Es gibt echt viele Kinder und eine Unmenge an jungen Leuten. Da die Plätze in den Unis hier dafür absolut nicht ausreichen gibt es eine ziemlich harte Aufnahmeprüfung, die ÖSS. Je besser man hierbei abschneidet, desto mehr kann man sich raussuchen an welche Uni man gehen will. Unsere Uni ist übrigens eine der beiden besten Unis hier in der Türkei. Wer als Türke dort studieren kann, kann ziemlich stolz auf sich sein. Manche sind das auch und lassen es ein bisschen raushängen, was manchmal etwas nervt.

Tja und die Männer… Ein Thema für sich. Nachdem ich ja in Antalya die eine Sorte von türkischen Männern kennen gelernt habe, die ständig versuchen zu baggern und einen herum zu bekommen war ich sehr erfreut, dass es auch noch ganz andere gibt. Hier in Istanbul gibt es wirklich Jungs, die ganz normal, fast schon europäisch sind. Zu der Seite gehört definitiv auch mein Mitbewohner Yusuf. Auch viele an der Uni sind sehr nett und zwar ohne Hintergedanken. Wenn man in den Touristenzentren unterwegs ist, gibt’s natürlich auch die von der Antalya-Fraktion.

Und in meinem Leben habe ich noch nie so viele Transvestiten gesehen wie in den letzten Wochen. Istanbul scheint die reinste Hochburg dafür zu sein, wahrscheinlich deshalb, weil sie in keiner anderen türkischen Stadt akzeptiert werden würden. Schwule hingegen gibt es sicher auch sehr viele, aber sie lassen es sich auf der Strasse nicht unbedingt so anmerken… Transvestiten haben da ja keine andere Wahl.

Auf Schritt und Tritt trifft man Leute, die auf den Strassen Dinge verkaufen. Teilweise sind sie vom Staat angestellt, wie zum Beispiel die Simithändler (Simit ist ein Gebäck) und andere wiederum versuchen einfach nur irgendetwas los zu werden um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Da kann man dann schon mal einzelne Päckchen Taschentücher oder Socken kaufen wenn man denn möchte. Schön sind die Plätze, wo Blumen verkauft werden. In allen Farben und Formen leuchten sie einem schon von weitem entgegen.

Die Menschen hier sind teilweise sehr an Werten wie Familie, Respekt und Höflichkeit orientiert. Wenn zum Beispiel jemand in den Bus steigt, der nicht gut laufen oder stehen kann, springen sofort mehrere Personen auf und bieten einen Platz an. Dabei ist das Stehen hier im Bus echt kein Spaß, zumal so eine Fahrt dann schon mal 45 Minuten oder mehr dauern kann. Mir gefällt das sehr gut, in Deutschland kümmert sich ja manchmal kein Mensch. Als ich letzte Woche für eine alte Dame aufgestanden bin, hat sie sich dann auch meine Tüte mit Wasserflaschen geschnappt und hat sie bei sich auf den Boden gestellt, so dass ich sie nicht halten musste. Das ist doch echt nett oder? Und wie sie sich gefreut hat, als ich auf Türkisch danke gesagt habe.

Wenn der Bus sehr voll ist und Leute hinten einsteigen werden auch von hinten die Fahrscheine nach vorne durchgegeben zum Kassierer und sie kommen auch alle wieder bei ihren Besitzern an. Niemand kommt auf die Idee schwarz zu fahren, egal wie voll der Bus ist…

Natürlich gibt es auch Menschen mittleren Alters, die mal abgesehen von ihrem südlichen Aussehen glatt deine Eltern sein könnten. Die meisten haben kein einfaches Leben. Es gibt hier kaum Regelungen bezüglich Arbeitszeiten und Urlaub, so dass 70-Stunden-Wochen bei mieser Bezahlung sehr oft auftreten. Und das Leben in Istanbul ist nicht gerade sehr billig größtenteils. Trotzdem kommen immer mehr Menschen aus dem Osten des Landes in die Stadt weil es dort noch viel schlechter aussieht, auch wenn der Staat sich bemüht, die wirtschaftliche Entwicklung dort zu fördern.

Wie ihr seht gibt es hier wirklich viel zu sehen. ;o)

Mal sehen was mir als nächstes einfällt, was euch vielleicht interessieren könnte. Ich denke aber mein nächster Blog handelt von meiner Zeit mit Steffen, der ja jetzt dann zu Besuch kommt. Für das Wochenende haben wir erst mal geplant, nach Antalya zu fahren zum Tauchen.

Viele liebe Grüße,

Birgit

 

 

11.10.06 10:56

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