Ankara`ya gittik

Hallo ihr Lieben!

 

Dieses Wochenende habe ich es geschafft, mir mit drei Freundinnen (Rebecca, Katharina und Julia) die Hauptstadt Ankara anzusehen. Ankara ist 450 km von Istanbul entfernt und hat ca. 4 Millionen Einwohner (Istanbul um die 15). Wir sind freitagabends um zehn Uhr mit dem Zug gestartet und Samstag früh um acht angekommen. Der Zug war überraschenderweise sehr modern und vor allem die Sitze waren echt riesig. Man kann damit also recht komfortabel reisen und dann ist es auch noch total billig. Wir haben für den Hinweg ca. acht Euro gezahlt. Damit kommt man in Deutschland bei der Bahn nicht sehr weit… Julia und ich hatten das Glück, das die Reihe hinter uns dann auch noch um drei Uhr nachts frei wurde so dass jede von uns sich dann über eine Reihe ausbreiten und noch einmal vier Stunden wie in einem Bett schlafen konnten (naja fast).

Samstag haben uns dann Freunde von Rebecca am Bahnhof mit dem Auto abgeholt. Das war echt gut, weil der ziemlich außerhalb war und es auch ganz schönkalt war. Die Freunde, die jetzt auch ein bisschen die von uns allen sind, waren Elina und Marc. Elina studiert an der gleichen Uni wie Rebecca, macht aber ihr Erasmus Jahr in Ankara an der Bilkent Universität. Dort hat sie ihren Freund Marc kennen gelernt, der trotz des Namens Türke ist aber dank der englischsprachigen Schule an der er war richtig gut Englisch spricht… In Marcs Wohnung durften wir netterweise dann auch von Samstag auf Sonntag übernachten. Die beiden haben sich auch das ganze Wochenende ganz lieb um uns gekümmert und uns herumgeführt.

Erst einmal konnten wir aber unsere Sachen in Marcs Wohnung ablegen. Nachdem wir uns alle mal kurz im Bad ein bisschen frisch gemacht hatten sind wir los zum Frühstücken. Sie haben uns ein richtig nettes Cafe gezeigt wo man echt günstig einen großen Frühstücksteller bekommen konnte. Wir hatten alle voll Hunger und haben es uns erst Mal richtig schmecken lassen…

Danach sind wir ca. 30 Minuten durch die Stadt gelaufen, hin zum Anit Kabir. Das ist die Stätte, an der das Mausoleum von Atatürk steht. Falls es jemand noch mal wissen will: er ist der Gründer der türkischen Republik (1923) und er ist hier echt ein Heiliger. Wenn ihr jetzt denkt: „ach, Mausoleum, gääähn“, dann liegt ihr falsch. Der Bau dem die ihm hingeklotzt haben, hätte auch griechischen Göttern alle Ehre gemacht. Es ist wirklich riesig und sieht schon toll aus (Fotos auf Ringo). Dazu ist dann dort auch noch ein Museum untergebracht, das zwar ganz schön gemacht ist aber teilweise ein bisschen zu ausschweifend und kitschig ist (naja, vielleicht für meinen deutschen Geschmack?). Von außen denkt man, es ist klein, aber wenn man erst mal drinnen ist erweist es sich als unendlich langer Gang, durch den man auch ganz durch muss weil es keine Abkürzungen gibt. Am Mausoleum war auch richtig was los. Da sind echt viele Türken gewesen und halt auch Schulklassen und so. Als wir aus dem Museum raus sind saßen wir auf Steintreppen und neben uns eine Horde türkischer Teenies. Die waren total fasziniert von uns, es war mir echt schon richtig peinlich. Die konnten dann auch ein paar Wörter deutsch und waren total stolz, die an uns auszuprobieren. Ich war auf einmal so halbwegs mitten zwischen ihnen und froh als sich Katharina meiner erbarmt und mir ein wenig bei der Konversation geholfen hat. Noch froher war ich, als wir dann weiter sind. J

Anschließend sind wir mit dem Taxi nach Ulus, dem Burgviertel gefahren. Da stehen die Überreste einer mittelalterlichen Burg und außen herum und in den Burgmauern stehen Häuschen, die genauso alt aber weitaus weniger charmant wirken. Auf deutsch: das ist die Gegend, in der die Leute nicht leben sondern hausen. Es sieht da echt schlimm aus, alles ist alt und verfallen, kaputte Fensterscheiben, blanke Mauern. Ich würde mal sagen, da ist Armut pur. Die wenigen Leute die wir auf der Straße sahen waren alte Frauen, die selbstgemachten Schmuck verkauften und kleine Kinder, die Fußball gespielt haben. Es handelt sich hier echt um ein großes Gebiet. Wenn man auf der Burgmauer stand konnte man gut auch nochmals den Kontrast zwischen den Massen an Regierungsgebäuden (modern, riesengroß, manche etwas militärisch angehaucht und fast bedrohlich wirkend) in der Ferne und dem Gecekondu (dem türkischen „Slum&ldquo im Umfeld der Burg sehen.

Der Rest der Stadt wirkt übrigens fast wie eine deutsche Stadt, vor allem die Wohngegenden. Das liegt daran, dass die Stadt von deutschen und schweizer Stadtplanern entworfen wurde. Ankara ist also komplett anders als Istanbul.

Im Anschluss haben die beiden uns ihre Universität gezeigt. Das war schon recht beeindruckend. Es ist nicht nur eine Uni dort sondern es ist ein riesiges Gelände, fast ein Städtchen und es ist in Privatbesitz. Dort befindet sich ein großes Einkaufsgebiet mit Mall, sogar ein Praktiker lässt sich finden. Es gibt Wohnhäuser, Geschäfte und und und… Für die Studenten gibt es eigens ein gratis Fitnesstudio (und frage nicht wie das ausgestattet war, echt hammer!) und noch viel viel mehr… Man kann sich das so gar nicht vorstellen aber es ist echt krass. Das Ziel war angeblich mal irgendwann einen Wohnort für Wohlhabende und Gebildete Leute aufzubauen und das ist denen glaube ich ganz gut geglückt… Es ist alles sehr modern.

Trotz allem bin ich froh in Istanbul zu sein, da die Bilkent Uni doch ein bisschen außerhalb liegt und man mit einem Shuttlebus (der nicht soooo oft fährt) oder dem Taxi auskommen muss. Zudem gefällt mir die Stadt hier einfach besser. Und ich habe das Gefühl es gibt hier viel mehr zu sehen. Ich fühle mich halt hier jetzt auch einfach schon so wohl.

Was noch dazu kommt (und das sagt auch Marc, der eigentlich aus Izmir kommt) ist, dass das Umland von Ankara echt nicht so toll ist. Da ist nämlich nichts, wirklich nichts. Keine Stadt, kein Wald, kein gar nichts. Nur Hügel und Steppe und es ist alles grau und steinig.

Samstag abend waren wir dann in einer Kneipe, in der ganz viele Studenten von der Bilkent waren und richtig abgefeiert haben. Rebecca auch und Julia teilweise, aber Katharina und ich hatten keine Lust was zu trinken und waren einfach viel zu kaputt (da hätte echt dann nur noch der eine oder andere Tequila geholfen und da hatten wir in dem Moment keine Lust darauf). Wir haben uns dann aber trotzdem gut amüsiert indem wir ein Bier getrunken und die Leute beobachtet haben. Das hat auch Spaß gemacht, was man da so alles sieht wenn man da so sitzt ;-). Da war echt ganz schön was los (ein Abschleppunternehmen ist ein Dreck dagegen).

So um zwei Uhr waren wir dann aber auch schon daheim und haben am nächsten Tag erst mal richtig ausgeschlafen. Da haben wir auch nicht mehr viel machen können, weil wir zurück mit dem Bus gefahren sind und der schon um vier Uhr abfuhr… Aber für ein gemütliches Pizza essen, einen kleinen Spaziergang und einen Kaffee bei Starbucks hat es gereicht. Aber ein bisschen Trödeln muss ja auch mal sein, oder?

Fazit: Es war schön, Ankara mal gesehen zu haben, aber ein Wochenende reicht meiner Meinung nach dafür.

Nächstes Wochenende fahre ich übrigens mit Julia nach Konya. Mal sehen, wie es uns dann da so gefällt.

Sonst gibt es nicht viel Neues. Ich habe letzte Woche endlich auch mal zwei gute Prüfungen heraus bekommen und mich gefreut. Heute hatte ich meine letzte Zwischenprüfung und sie ist ganz gut gelaufen. Morgen werde ich vermutlich VWL heraus bekommen und das ist nicht gut. Die Lehrerin hat gesagt, der Schnitt liegt bei 30 %. Krass oder? Da war ich wohl nicht die einzige, die ins Klo gegriffen hat ;-).

Also nächste Woche ein Bericht aus Konya, versprochen!

Liebe Grüße

Birgit

11.12.06 19:07

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