Der Papst und ich und Bursa

Hallo ihr Lieben!

So, jetzt habt ihr aber schon lange nichts mehr gehört… Also mich gibt’s noch. ;-)

Ich hatte nur jetzt einfach ein paar Midterms am Stück und habe es daher nicht geschafft mal wieder was zu schreiben.

Letzte Woche war der Papst da und er hat in meiner Straße gewohnt. Ungefähr 200 Meter von meinem Haus entfernt ist nämlich das vatikanische Konsulat und die Heilig Geist Kathedrale, in der er am Freitag einen Gottesdienst gehalten hat. Das klingt jetzt ganz interessant und lustig, war es aber nicht. In der Türkei gab es massive Proteste wegen dem Besuch des Papstes, d.h. die Türken wollten ihn nicht da haben aus verschiedenen Gründen. Zum einen war ja da diese Rede in Regensburg, bei der er ja wohl ziemlich Mist gebaut hat. Außerdem gibt es hier bestimmte Verschwörungstheoretiker, die meinten, dass er sicher kommen wolle, um die Hagia Sophia wieder in eine Kirche umzuwandeln. Ganz kurz dazu: Die Hagia Sophia war einmal eine der größten und wichtigsten Kirchen der Welt. Dann wurde Istanbul (damals Byzanz) erobert und die Kirche in eine Moschee umgewandelt. Als Atatürk die türkische Republik gegründet hat, wollte er die Streitigkeiten um das Gebäude aus der Welt schaffen und hat es deshalb kurzerhand in ein Museum umgewandelt (da drin betet also niemand mehr). Das mit der Verschwörung klingt ziemlich abstrus, scheint aber im Moment hier recht gut anzukommen und Nationalismus ist hier im Moment recht „in“ weil sich viele Türken bzw. Muslime grade ein bisschen auf den Schlips getreten fühlen (durch EU-Verhandlungen und einige andere Dinge wie z.B. die Karikaturen letztes Jahr). Lange Rede kurzer Sinn: wie ihr vielleicht in den Medien mitbekommen habt kam es zu der einen oder anderen Demo und man hatte ziemlich Angst dass dem Papst hier etwas passieren könnte. Daher hat man kurzerhand unseren ganzen Block abgeriegelt!!! Jeder Haushalt musste erst mal ein Formular ausfüllen, in dem verzeichnet ist, wer da jetzt genau wohnt (mit Foto und allem). Dann haben sie das ganze Viertel inklusive einer sechsspurigen Strasse komplett gesperrt! Jeder der rein und raus wollte musste den Ausweis zeigen und es wurde überprüft ob er/sie Anwohner ist… Ich hatte das rießen Glück, dass ich genau 20 Meter außerhalb des Sperrbezirks lebe. Somit konnte ich mir einiges ersparen. Trotzdem ist es unangenehm, wenn einem morgens um halb neun erst mal eine Hundertschaft Polizisten, ein Polizeipanzer (ja, so was gibt es hier) oder ein Dutzend Motorräder entgegen kommt. Ihr sagt vielleicht, dass man sich da voll sicher fühlt. Habe ich aber nicht. Ich laufe nicht so gerne an Typen mit Maschinengewehren vorbei… Für mich war das kein gutes Gefühl. Außerdem kam mein Bus drei Tage lang nicht weil die große Strasse gesperrt war. Das war auch nicht schön. Einige meiner Freunde haben versucht den Papst zu sehen, als er die Hagia Sophia besucht hat. Keiner hat es geschafft, es ging alles voll geheim ab und auch dort waren Hunderte von Polizisten. Naja, ihr werdet es ja so teilweise zumindest in den Medien mitbekommen haben. Wir waren jedenfalls froh, als der ganze Spuk herum war…

Meine letzten harten Prüfungen sind jetzt jedenfalls vorbei (bis Januar habe ich nur noch welche in Türkisch&hellip. Daher bin ich jetzt in Reise- und Partystimmung und diesen Donnerstag habe ich das Wochenende damit eingeläutet, dass ich mit Freunden in den neuen James Bond gegangen bin. Ich fand ihn ganz gut, aber der neue Bond??? Naja. Meins ist er nicht so… Freitag habe ich dann ausgiebig geschlafen: bis zehn Uhr und alle, die mich gut kennen, wissen, dass das bei mir schon sehr ausgiebig ist oder?

Am Freitag abend bin ich dann bei Rebecca gewesen und wir haben ein Fläschchen Rotwein geleert, weil wir früh zu Bett gehen wollten, weil wir für Samstag eine Tour geplant hatten. Um elf bin ich dann recht angetrunken heim wo ich dann noch auf Yusuf und seine Yasmin getroffen bin. Mit denen habe ich mich dann noch unterhalten und dann war es doch schon eins als ich geschlafen habe… Samstag morgens um sechs Uhr hat mein Wecker geklingelt! Das war vielleicht früh (so früh muss ich hier sonst nie aufstehen, weil ich vor zehn Uhr nie Uni habe, d.h. normal stehe ich so um sieben auf). Mit dem Bus sind Rebecca und ich dann zum Hafen gefahren und dann mit der Fähre nach Yalova (auf der anderen Seite des Marmarameeres) und von dort mit dem Bus nach Bursa. Bursa war nämlich unser Ausflugsziel für diesen Tag. Bursa hat ca. eine Million Einwohner und liegt in den Bergen, beim Uludag Gebirge. Für unsere Istanbuler Begriffe ist das ein Städtchen (Istanbul hat ca. 14 Millionen Einwohner, so genau weiß das keiner). ;-)

Wir haben uns dort dann einige Moscheen angeschaut, es gab eine schöne Brücke und einen alten Han. Ein Han ist ein viereckiges Gebäude, das einen großen Innenhof hat. Es hat also quasi nur Zimmer in den Mauern außen herum. Dieser Han, der Kozahan, wurde 1491 gebaut und diente den Seidenhändlern, die der Seidenstraße nach und von China folgten, als Rasthaus, aber auch als Handelsstätte. Heute sind in den Mauern viele kleine Geschäfte, in denen man abscheuliche Seidenhemden aber dafür auch wunderschöne Seiden- und Paschminaschals kaufen kann (denen auch Rebecca und ich nicht widerstehen konnten). Abgesehen davon gab es in Bursa noch ein rießiges Marktviertel, durch das wir dann noch lange geschlendert sind, das Wetter war auch so einladend dafür. Bei einem gemütlichen Tee haben wir dann den Tag in Bursa ausklingen lassen. Fotos gibt es dann wie gehabt bei Ringo.

So um zehn Uhr abends war ich dann wieder zu Hause. Das war später als geplant aber ich habe dafür gesorgt, dass wir am Hafen in einen falschen Bus eingestiegen sind, der nicht so fuhr, wie ich mir das gedacht hatte. ;-)

Um 23:15 bin ich dann schon wieder Richtung Taksim gelaufen und habe mich mit Freunden getroffen. Nach ein paar Bieren in einer richtig netten Kneipe mit türkischer Life Musik sind wir in einen Club namens Araf weiter, wo eine Freundin von uns ihren Geburtstag gefeiert hat. Irgendwie bin ich da mit ein paar anderen versackt und habe noch das eine oder andere Bier getrunken… Letztendlich bin ich dann heute morgen um sechs Uhr heimgekommen. Das erklärt, warum ich heute noch fast gar nichts gemacht habe, außer ein bisschen was zu Essen zu kochen und euch einen neuen Blog zu schreiben.

Nächstes Wochenende fahre ich dann mit Katha, Rebecca und Julia nach Ankara. Spätestens danach gibt es dann wieder was Neues von mir!

Liebe Grüße

Birgit

3.12.06 17:00

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