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Reise in den wilden Osten...

Letzte Woche habe ich meinen vorerst letzten größeren Ausflug hier gestartet. Eine Woche lang bin ich mit Julia und Rebecca den Osten der Türkei erkundet.

Los ging es am Freitagmorgen um sieben. Wir sind mit dem Flieger nach Malatya geflogen. Der Flug hat circa zwei Stunden gedauert und wir waren ein bisschen müde, weil wir schon um fünf Uhr aufstehen mussten um rechtzeitig zum Flughafen zu gelangen. Malatya wollten wir als Ausgangspunkt für unseren Ausflug zum Mount Nemrut nutzen. Man kommt dort nicht wirklich gut alleine hin, sondern muss sich um ein geeignetes Transportmittel kümmern. Deshalb sind wir nachdem wir im Zentrum angekommen waren erst einmal die Touristeninformation suchen gegangen. Wir sind als brave Touristen auch immer schön der Karte gefolgt und waren sehr verdutzt als wir plötzlich vor einem normalen Cafe standen, an dessen Vorderseite ein Schild mit der Aufschrift „Tourist Information“ hing. Nach kurzer Nachfrage sagte der Kellner wir wären richtig und wir sollten uns ruhig reinsetzen und er würde die Information benachrichtigen. Gesagt getan, wir haben uns gesetzt und gewartet. Und gewartet. Und gewartet… Letztendlich kam nach ca. einer oder eineinhalb Stunden tatsächlich ein Mann, bei dem wir uns im ersten Moment gewünscht haben, er hätte bitte doch nichts mit der Information zu tun J (schaut euch die Bilder an und ihr wisst was ich meine). Er stellte sich dann aber doch als sehr nett und der englischen Sprache gut mächtig heraus. Er hat dann auch für uns für den nächsten Morgen einen Kleinbus samt Fahrer organisiert und ein Hotel für die Nacht. Der Tag in Malatya selbst war nichts Besonderes, es gibt nicht allzu viel zu sehen. Am Abend waren wir aber im Kino und es war so ein entspannter erster Tag.

Am nächsten Morgen um acht Uhr ging es dann los. Unser Fahrer war pünktlich und wir hatten einen Kleinbus für uns alleine – naja, zunächst. Nachdem in diese angelegene Gegend nicht oft etwas fährt hat er dann mal noch ein altes Weibchen samt Milchkanne und noch einen bis zwei wechselnde Kumpels eingeladen. Diverses Baustellenmaterial und Gemüseeinkäufe (plus ca. 30 geschätzte Brote Leib) konnten auch noch problemlos untergebracht werden. Eigentlich haben wir nur noch auf ein paar Hühner und ein Schaaf gewartet *g*. Nach knapp drei Stunden waren wir dann halbwegs angekommen, das heißt an einer Stelle, an der das Auto nicht weiterkam weil noch Schnee lag. Wir mussten ein Stück zu Fuß gehen, wurden dann in einem anderen Auto, welches den Winter anscheinend bei dem geschlossenen Hotel auf der anderen Seite verbracht hatte, noch ein paar Kilometer gekarrt und letztendlich haben wir noch einen Fußmarsch (immer schön in Serpentinen bergauf) von ungefähr 30 – 45 Minuten absolviert. Jetzt rauche ich noch nicht mal und war trotzdem fertig wie sonst was als ich oben war. Ich habe echt kaum noch Luft bekommen, ich denke aber das lag an der Höhe von gut 3000 Metern in der ich mich auf einmal befand. Und ein straffes Tempo hat unser Guide auch vorgelegt. Aber es hat sich mehr als gelohnt. Auf dem Gipfel dieses Berges findet man 2 Meter hohe Götterstatuen, die vor langer Zeit ein König dort aufstellen lassen hat. Und die Aussicht ist einfach der absolute Wahnsinn! Oben lag auch noch Schnee und es ging ein eisiger Wind, aber es war ein tolles Erlebnis. Und wir waren auch ganz alleine dort, die einzige andere Gruppe ist gleich nach dem wir kamen gegangen.

Nach einer Stunde sind wir dann zurück zum Auto und wurden gleich zum Busbahnhof in Malatya gebracht. Von dort aus hieß unser nächstes Ziel Urfa via Adiyaman und zwar mit dem Dolmuş. Nach vier Stunden waren wir am Ziel und haben in einem netten kleinen Hotel eingecheckt. Am nächsten Morgen sind wir gleich losgezogen und haben die Stadt ein bisschen erkundet. Das Schönste war eine alte Gartenanlage mit schönen Torbögen und einem Karpfenteich mit heiligen Karpfen. Auch auf die Festung hochzusteigen haben wir uns nicht nehmen lassen und überhaupt sind wir glaube ich jeden Tag irgendwo hochgestiegen, weshalb wir eigentlich riesige Muskeln in den Oberschenkeln haben sollten ;-). Danach haben wir uns noch kurz mit Katharina und ihrem Freund getroffen die lustigerweise auch genau an diesem Tag in Urfa waren. Die Welt ist klein…

Am Mittag hieß es für uns allerdings schon „Tschüss Urfa“, um zwölf Uhr ging unser Bus nach Mardin. Leider hat es schon kurz nach Beginn der Fahrt angefangen zu regnen. Aus dem Regen wurde dann noch ein fetter Hagelschauer, so dass wir zwischendrin Pause machen mussten. Mardin ist ein schönes Städtchen, dessen Häuser in einen Berg hineingebaut sind. Leider war das Wetter auch dort nicht sehr gut, so dass wir schon bald weiter sind. Mit dem nächsten Dolmuş ging es noch am gleichen Abend nach Diyarbakir von wo aus wir einen Bus nach Van nehmen wollten.

Wir wollten eigentlich über Nacht fahren, so dass wir erst am nächsten Morgen dort waren, aber sobald wir da waren haben uns schon Männer zugerufen, dass jetzt sofort der letzte Bus fahren würde. Da wir unbedingt weiter wollten hat Julia „hier, 3 Personen“ geschrieen und ehe wir uns umsehen konnten saßen wir schon im mit Männern gefüllten Bus nach Van. Wir mussten erst einmal herzlich lachen weil alles so dermaßen überstürzt war. Dafür haben wir dann aber auch den einen oder anderen bestürzten, überraschten oder auch ungläubigen Blick von unseren „Mitinsassen“ geerntet. Ich glaube die hätten uns gerne eingeliefert oder mal ein Paar Manieren verpasst. Um halb drei Uhr nachts hat uns dann der Busfahrer in der Innenstadt von Van aus dem Bus geschmissen weil wir nicht gecheckt haben dass wir jetzt an der Endstation sind. J

Von einem Türken sind wir dann zu einem Hotel eskortiert worden und dann dort auch abgestiegen weil keiner mehr den Nerv hatte noch nach etwas anderem zu schauen. Eigentlich war es auch ganz in Ordnung, nur das Bad war leider nicht so toll weil es aus allen möglichen Öffnungen getropft hat. Am nächsten Morgen sind wir mit einem Guide in Kontakt gekommen, mit dem wir dann ausgemacht haben, dass er uns gemeinsam mit einer Engländerin ein bisschen die Gegend zeigt. Zudem hat er es geschafft, dass wir einen Rabatt und ein anderes Zimmer in diesem Hotel bekamen, so dass wir dort noch eine Nacht geblieben sind.

Mit dem Führer waren wir an einem Selcukischen Grab und danach auf der Insel Akdamar, die sich im Vansee befindet. Man fährt eine halbe Stunde mit dem Schiff hin. Auf der Insel gibt es eine alte armenische Kirche. Es war schönes Wetter und wir hatten eine atemberaubende Aussicht von dort! Der ganze See ist quasi umringt von schneebedeckten Bergen und auf der Insel standen die Obstbäume in voller Blüte. Da lass ich aber ansonsten mal die Bilder für sich sprechen…

Im Anschluss haben wir uns noch das (wo auch sonst?) auf einem Berg gelegene Schloss von Van angesehen. Nach einem Fläschchen Wein haben wir dann auch prima geschlafen – alle außer Rebecca, die wurde nämlich um zwei Uhr noch einmal geweckt weil unser Freund Mert (aus der Uni) und dessen Kumpel Ahmet in unser Hotel eingecheckt hatten, da sie uns am nächsten Tag mit dem Auto weiterbegleiten wollten. Stinkfaules Birgitchen ist natürlich im Bett liegen geblieben und hat sich nicht anmerken lassen dass sie wach istJ.

Am Morgen sind wir Frühstücken gegangen und als wir wieder aufs Zimmer sind um uns gar fertig zu machen habe ich gleich festgestellt, dass mir mal wieder Geld geklaut worden war. Dieses Mal waren es 80 YTL, bei Rebecca haben 50 gefehlt und das obwohl wir den Schlüssel abgegeben hatten an der Rezeption… Naja, zum Teil selbst schuld, aber auf der anderen Seite auch nicht oder? Wir und unsere türkischen Freunde haben dann auch mit dem Chef und Rezeptionisten geredet, aber da war natürlich nichts zu machen. Da war jedoch das einzige unangenehme Erlebnis auf unserer Reise und nachdem letztes Mal ja alle meine Sachen weg waren kann ich eigentlich noch von Glück reden.

Den Tag haben wir uns dann davon auch nicht versauen lassen. Mit dem Auto sind wir nach Dogubayazit gefahren. Es ging dann schon sehr nahe an der iranischen Grenze vorbei und wir wurden mehrere Male von Militärposten kontrolliert. Die waren mehr als erstaunt was wir da machen, hatten einen Heidenspaß mit uns weil ja natürlich nicht jede Stunde ein Auto mit drei europäischen Weibern vorbei kommt auf ihrem langweiligen Posten… Die erste Kontrolle war eigentlich die witzigste. Unsere Freunde wurden gefragt woher sie uns denn um Himmels Willen kennen würden und ob wir sie im Internet kennen gelernt hätten. Dann haben sie unsere Pässe ihrem Chef in der Baracke gezeigt, der es sich natürlich nicht nehmen lassen hat selbst auch gleich noch mal zum Gucken zu kommen… Die waren alle so baff, echt witzig!

Weshalb wir überhaupt da hin wollten war der Ishak-Pasa Palast, welcher auf einem Berg steht und echt sehr schön aussieht. Zudem wollten wir einen Blick auf den Mount Ararat werfen (das ist der mit der Arche). Der Palast war echt toll, die Gegend sehr interessant. Aber auch hier verweise ich mal frech auf die Bilder…

Gegen zwölf Uhr sind wir dann in Erzurum eingetroffen, wo wir bei Ahmet übernachten durften. Eigentlich hatten wir damit gerechnet bei Merts Familie zu übernachten und von seiner Mutter bekocht zu werden, aber das ging nicht weil dort gerade kein Platz für uns war. Und Ahmet hat uns dann in die Zweitwohnung seiner Familie einquartiert, die gerade leer stand. Interessanterweise durfte bloß keiner wissen, dass wir da sind. Wir mussten uns ins Haus schleichen und durften nicht zu leise sein!!! Wie James Bond… Anscheinend hat er es seinen Eltern  nicht erzählt und hätte vielleicht Probleme bekommen.

Den Mittwoch haben wir mit unseren Freunden in Erzurum verbracht. Wir haben ein paar ältere Gebäude dort angeschaut und waren in einem tollen alten zum Cafe umgebautem Haus. Das war sooo gemütlich und urig, mit versteckten Sitzecken, total verwinkelten Gängen und überall große Kissen auf dem Boden zum Sitzen. Im Anschluss waren wir noch sehr gut türkisch essen und Ahmet und sein Freund Eray, den wir an diesem Tag kennen gelernt hatten, haben uns dann mit dem Auto mit nach Trabzon an die Schwarzmeerküste genommen, da sie dort angeblich Freunde besuchen wollten. Eigentlich und ehrlich haben die uns da in Van schon deshalb abgeholt weil sie sich so Sorgen um uns gemacht haben und ich denke dass sie uns auch deshalb nach Trabzon gefahren haben. Die Idee dort hinzufahren kam ihnen nämlich ein bisschen sehr kurzfristig und dann haben sie sich dort auch noch in einem Hotel eingenistet über Nacht wo sie doch dort Freunde haben (und die türkische Gastfreundlichkeit ja beinahe legendär ist). Schlecht war es aber echt nicht dass sie uns in Trabzon zum Hotel gebracht haben. Die ganze Stadt ist am Abend voller russischer Nutten und den entsprechenden russischen und türkischen Freiern dazu. Von anderen Frauen keine Spur. Tagsüber ist es aber ein sehr hübsches Städtchen und auch sicher. Man kann ans schwarze Meer laufen, es gibt allerdings soweit wir das sehen konnten keinen Sandstrand sondern sehr sehr flache Klippen. Leider mal wieder Müll und Dreck soweit das Auge sehen konnte, sehr schade. Außerdem werden Abwässer in regelmäßigen Abständen eingeleitet und es stinkt da sehr. Wir sind ein bisschen durch den Basar gebummelt, haben uns ein kleines Museum angesehen und haben zu Abend gegessen. Gescheiterweise haben wir auch Kirschen und Erdbeeren und Schokokuchen gekauft, uns die Bäuche vollgeschlagen. Pünktlich als wir am Flughafen angekommen sind, machten Rebeccas und meine Verdauung Überstunden wenn ihr versteht was ich meine ;-). Julia hat Kopfschmerzen bekommen, eventuell auch von dem Obst (gespritzt vielleicht oder so?) aber nicht notwendigerweise. Wir haben es aber trotzdem alle geschafft, den Flug nach Istanbul gut zu überstehen. Donnerstagnacht um ein Uhr waren wir dann alle zu Hause und konnten uns am Freitag erst einmal ausschlafen.

Die Reise war sehr schön und interessant. Der Osten der Türkei ist wirklich eine andere Welt. Die Menschen sind noch viel traditioneller und teils auch konservativer. Trotzdem waren im Großen und Ganzen alle sehr nett zu uns. Außerhalb der Städte leben die Menschen noch immer so wie ihre Großeltern, außer dass es eigentlich überall Strom gibt. In vielen Gegenden sind sie noch sehr angeschlossen vom Rest der Welt. Es gibt fast ausgestorbene Landstriche und viele viele Schafe und Ziegen. Auch den Militäreinfluss bekommt man im Osten stark zu spüren, wenn man zum Beispiel an einem Carport mit geschätzten 40 Panzern vorbeifährt. In der Uni in Van gibt es getrennte Cafes für Türken und Kurden. Mehr möchte ich dazu jetzt hier nicht schreiben, aber es gibt definitiv noch größere Konflikte und Probleme, die hoffentlich in den nächsten Jahren (Jahrzehnten?) gelöst werden können…

In fünf Wochen komme ich nach Hause! Ich freue mich schon euch wieder zu sehen, bin aber auch ein bisschen traurig zu gehen, da es mit hier sehr gut gefällt…

Bis bald!

6.5.07 12:31, kommentieren