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Zurück in die Steinzeit

Letztes Wochenende bin ich gemeinsam mit meiner neuen Mitbewohnerin und alten Freundin Rebecca nach Kappadokien gefahren. Jetzt werden sich wohl viele fragen was und wo das ist. Es ist eine Gegend die ziemlich genau in der Mitte von der Türkei liegt. Das Besondere daran ist, dass man dort eine atemberaubende Landschaft sehen kann. Man findet dort vor allem Tuffgestein, welches vulkanischen Ursprungs ist und sich gut bearbeiten und verformen lässt – sowohl von Menschenhand, weswegen es dort ca. 50 unterirdische Städte gibt, als auch vom Regen und vom Wind, weshalb auch oberirdisch die tollsten Formen entstehen. Aber das seht ihr euch am Besten auf den Bildern an, die ich auf Ringo.com geladen habe, wie immer…

Donnerstag abend ging es also los. Über Nacht brachten wir beide eine elfstündige Busfahrt ohne Zwischenfälle hinter uns. Langsam gewöhne ich mich ein bisschen dran und schaffe es relativ viel zu schlafen…

Angekommen sind wir in Nevşehir, der mit 60.000 Einwohnern größten Stadt in Kappadokien. Von dort aus sind wir mit einem kleinen Bus nach Göreme gebracht worden, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Göreme ist ein richtig kleines Städtchen, in dem viele Häuser in den und um den Tuffstein herum gebaut worden sind. Das sieht echt stark aus und weckt so ein bisschen Urzeitstimmung. Wenn dann noch die größte Kneipe den Namen Flintstones trägt natürlich erst recht…

Wir haben dann auch nach kurzer Zeit eine Pension gefunden und haben tatsächlich ein Zimmer bekommen, das in so einen Stein gehauen war, wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Man muss dort allerdings aufpassen, dass man nur eine Pension mit warmem Wasser und Heizung nimmt, da das da nicht selbstverständlich ist (die meisten Touris kommen im Sommer) und es ganz schön kalt werden kann in diesen „Höhlen“.

Nach einer kurzen Verschnaufpause sind wir zu Fuss in das nahe gelegene Freilichtmuseum aufgebrochen. Dank türkischem Studentenausweis sind wir mal wieder gratis reingekommen und konnten uns 5 € sparen. Es war aber auch sehr sehenswert. Es ist ein sehr großes Gelände und was man dort sieht sind hauptsächlich in den Stein gehauene Behausungen und Kirchen. An der Umgebung kann man sich kaum satt sehen und wenn man durch ein einfaches Loch im Stein geht und sich in einer toll bemalten Höhlenkirche wieder findet ist das schon überraschend…

Am Nachmittag sind wir dann für zwei Stunden mit einem türkischem Guide durch einige der nahe gelegenen Täler geritten. Er hat uns auch eine weitere große Stadt (auch in den Stein gehauen) gezeigt, in der noch bis vor einigen Jahren Menschen gelebt haben, bis die Regierung sie umgesiedelt hat um die Stadt besser erhalten zu können… Der Ausritt war sehr schön, hat aber leider jeden von uns 60 Lira gekostet. Das ist eigentlich ein akzeptabler Preis aber leider hatten wir beide nicht viel Geld mitgenommen weil wir nicht an so etwas gedacht hatten. Und ich hatte meine Kreditkarte dabei aber nicht damit gerechnet dass man nicht damit zahlen kann, da sich der Reiterhof mehr oder weniger als Koppel mit nem kleinen Stall aus Stein (woraus auch sonst ;-)) herausgestellt hat. So hatte jede von uns hinterher noch ca. 50 Lira übrig. Glücklicherweise hatten wir aber schon die Unterkunft und die Rückfahrt gezahlt. Natürlich gab es Bankautomaten aber wenn man die Geheimzahl der Kreditkarte nicht weiß… *g* Nach dem zweiten Versuch habe ich es aufgegeben weil ich Angst hatte, es könnte mir die Karte einziehen.

Aber wir haben dann am Abend ein Restaurant gefunden wo wir mit meiner Kreditkarte zahlen konnten (Bankkarte hatte keiner von uns Klugis dabei) und haben da mehr als gut und reichlich gegessen.

Am Samstag sind wir dann am Morgen nach Kaymakli gefahren. Dort liegt die größte unterirdische Stadt der Umgebung, welche man auch besichtigen kann. Diese Städte wurden schon vor mehreren 1000 Jahren gebaut als Schutz gegen Feinde. Sie bestehen aus unendlichen Gängen und vielen Räumen. Die in Kaymakli hat acht Stockwerke und ist bis zu 50 Meter tief! Wir hatten einen türkischen Führer, der uns sehr viel erklärt und gezeigt hat. Es war echt sehr interessant und beeindruckend, zu sehen was diese Menschen damals mit ihren eigenen Händen geschaffen haben. Es war auch sehr durchdacht und gar nicht primitiv. Die Hititer (so hieß dieses Volk) hatten eine richtig fortschrittliche Kultur und das schon vor 4000 Jahren! Da sieht man erst mal wieder wie hintennach wir Deutschen waren, man denke nur ans Mittelalter…

Den Nachmittag über haben wir uns dann noch zwei andere kleine Städtchen in der Gegend angesehen: Ürgüp und Avanos. Viel Besonderes, von der Landschaft abgesehen, gab es dort allerdings dann auch nicht mehr. Deshalb waren wir nicht traurig, als wir Samstagabend nach einem wahnsinnig ausgiebigen und leckeren Abendessen wieder auf den Heimweg nach Istanbul gemacht haben. Nach einer erneuten elfstündigen Fahrt und einigen kleineren Scherereien mit unserer Busfirma sind wir auch Sonntag Vormittag heil wieder in Istanbul angekommen.

Ein kleines Nachspiel gab es noch: Am Dienstag ist in Ürgüp ein Felsrutsch passiert und dadurch sind mehrere Menschen getötet worden. Wir haben in der Zeitung ein Bild gesehen und sind erschrocken als uns klar wurde dass wir genau an diesem Platz noch vor drei Tagen selbst standen… Krass, wenn man dann so was liest. Die armen Leute!

So, das wars jetzt grad mal wieder. Von Kappadokien kriegt man eh durch die Bilder einen besseren Eindruck als durch Beschreibungen…

Jetzt kommen erst mal zwei Freundinnen von Freitag bis Mittwoch, also gibt es wahrscheinlich erst in ein zwei Wochen wieder was Neues…

Bis denn,
Birgit

 

8.3.07 22:41, kommentieren