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Der Papst und ich und Bursa

Hallo ihr Lieben!

So, jetzt habt ihr aber schon lange nichts mehr gehört… Also mich gibt’s noch. ;-)

Ich hatte nur jetzt einfach ein paar Midterms am Stück und habe es daher nicht geschafft mal wieder was zu schreiben.

Letzte Woche war der Papst da und er hat in meiner Straße gewohnt. Ungefähr 200 Meter von meinem Haus entfernt ist nämlich das vatikanische Konsulat und die Heilig Geist Kathedrale, in der er am Freitag einen Gottesdienst gehalten hat. Das klingt jetzt ganz interessant und lustig, war es aber nicht. In der Türkei gab es massive Proteste wegen dem Besuch des Papstes, d.h. die Türken wollten ihn nicht da haben aus verschiedenen Gründen. Zum einen war ja da diese Rede in Regensburg, bei der er ja wohl ziemlich Mist gebaut hat. Außerdem gibt es hier bestimmte Verschwörungstheoretiker, die meinten, dass er sicher kommen wolle, um die Hagia Sophia wieder in eine Kirche umzuwandeln. Ganz kurz dazu: Die Hagia Sophia war einmal eine der größten und wichtigsten Kirchen der Welt. Dann wurde Istanbul (damals Byzanz) erobert und die Kirche in eine Moschee umgewandelt. Als Atatürk die türkische Republik gegründet hat, wollte er die Streitigkeiten um das Gebäude aus der Welt schaffen und hat es deshalb kurzerhand in ein Museum umgewandelt (da drin betet also niemand mehr). Das mit der Verschwörung klingt ziemlich abstrus, scheint aber im Moment hier recht gut anzukommen und Nationalismus ist hier im Moment recht „in“ weil sich viele Türken bzw. Muslime grade ein bisschen auf den Schlips getreten fühlen (durch EU-Verhandlungen und einige andere Dinge wie z.B. die Karikaturen letztes Jahr). Lange Rede kurzer Sinn: wie ihr vielleicht in den Medien mitbekommen habt kam es zu der einen oder anderen Demo und man hatte ziemlich Angst dass dem Papst hier etwas passieren könnte. Daher hat man kurzerhand unseren ganzen Block abgeriegelt!!! Jeder Haushalt musste erst mal ein Formular ausfüllen, in dem verzeichnet ist, wer da jetzt genau wohnt (mit Foto und allem). Dann haben sie das ganze Viertel inklusive einer sechsspurigen Strasse komplett gesperrt! Jeder der rein und raus wollte musste den Ausweis zeigen und es wurde überprüft ob er/sie Anwohner ist… Ich hatte das rießen Glück, dass ich genau 20 Meter außerhalb des Sperrbezirks lebe. Somit konnte ich mir einiges ersparen. Trotzdem ist es unangenehm, wenn einem morgens um halb neun erst mal eine Hundertschaft Polizisten, ein Polizeipanzer (ja, so was gibt es hier) oder ein Dutzend Motorräder entgegen kommt. Ihr sagt vielleicht, dass man sich da voll sicher fühlt. Habe ich aber nicht. Ich laufe nicht so gerne an Typen mit Maschinengewehren vorbei… Für mich war das kein gutes Gefühl. Außerdem kam mein Bus drei Tage lang nicht weil die große Strasse gesperrt war. Das war auch nicht schön. Einige meiner Freunde haben versucht den Papst zu sehen, als er die Hagia Sophia besucht hat. Keiner hat es geschafft, es ging alles voll geheim ab und auch dort waren Hunderte von Polizisten. Naja, ihr werdet es ja so teilweise zumindest in den Medien mitbekommen haben. Wir waren jedenfalls froh, als der ganze Spuk herum war…

Meine letzten harten Prüfungen sind jetzt jedenfalls vorbei (bis Januar habe ich nur noch welche in Türkisch&hellip. Daher bin ich jetzt in Reise- und Partystimmung und diesen Donnerstag habe ich das Wochenende damit eingeläutet, dass ich mit Freunden in den neuen James Bond gegangen bin. Ich fand ihn ganz gut, aber der neue Bond??? Naja. Meins ist er nicht so… Freitag habe ich dann ausgiebig geschlafen: bis zehn Uhr und alle, die mich gut kennen, wissen, dass das bei mir schon sehr ausgiebig ist oder?

Am Freitag abend bin ich dann bei Rebecca gewesen und wir haben ein Fläschchen Rotwein geleert, weil wir früh zu Bett gehen wollten, weil wir für Samstag eine Tour geplant hatten. Um elf bin ich dann recht angetrunken heim wo ich dann noch auf Yusuf und seine Yasmin getroffen bin. Mit denen habe ich mich dann noch unterhalten und dann war es doch schon eins als ich geschlafen habe… Samstag morgens um sechs Uhr hat mein Wecker geklingelt! Das war vielleicht früh (so früh muss ich hier sonst nie aufstehen, weil ich vor zehn Uhr nie Uni habe, d.h. normal stehe ich so um sieben auf). Mit dem Bus sind Rebecca und ich dann zum Hafen gefahren und dann mit der Fähre nach Yalova (auf der anderen Seite des Marmarameeres) und von dort mit dem Bus nach Bursa. Bursa war nämlich unser Ausflugsziel für diesen Tag. Bursa hat ca. eine Million Einwohner und liegt in den Bergen, beim Uludag Gebirge. Für unsere Istanbuler Begriffe ist das ein Städtchen (Istanbul hat ca. 14 Millionen Einwohner, so genau weiß das keiner). ;-)

Wir haben uns dort dann einige Moscheen angeschaut, es gab eine schöne Brücke und einen alten Han. Ein Han ist ein viereckiges Gebäude, das einen großen Innenhof hat. Es hat also quasi nur Zimmer in den Mauern außen herum. Dieser Han, der Kozahan, wurde 1491 gebaut und diente den Seidenhändlern, die der Seidenstraße nach und von China folgten, als Rasthaus, aber auch als Handelsstätte. Heute sind in den Mauern viele kleine Geschäfte, in denen man abscheuliche Seidenhemden aber dafür auch wunderschöne Seiden- und Paschminaschals kaufen kann (denen auch Rebecca und ich nicht widerstehen konnten). Abgesehen davon gab es in Bursa noch ein rießiges Marktviertel, durch das wir dann noch lange geschlendert sind, das Wetter war auch so einladend dafür. Bei einem gemütlichen Tee haben wir dann den Tag in Bursa ausklingen lassen. Fotos gibt es dann wie gehabt bei Ringo.

So um zehn Uhr abends war ich dann wieder zu Hause. Das war später als geplant aber ich habe dafür gesorgt, dass wir am Hafen in einen falschen Bus eingestiegen sind, der nicht so fuhr, wie ich mir das gedacht hatte. ;-)

Um 23:15 bin ich dann schon wieder Richtung Taksim gelaufen und habe mich mit Freunden getroffen. Nach ein paar Bieren in einer richtig netten Kneipe mit türkischer Life Musik sind wir in einen Club namens Araf weiter, wo eine Freundin von uns ihren Geburtstag gefeiert hat. Irgendwie bin ich da mit ein paar anderen versackt und habe noch das eine oder andere Bier getrunken… Letztendlich bin ich dann heute morgen um sechs Uhr heimgekommen. Das erklärt, warum ich heute noch fast gar nichts gemacht habe, außer ein bisschen was zu Essen zu kochen und euch einen neuen Blog zu schreiben.

Nächstes Wochenende fahre ich dann mit Katha, Rebecca und Julia nach Ankara. Spätestens danach gibt es dann wieder was Neues von mir!

Liebe Grüße

Birgit

1 Kommentar 3.12.06 17:00, kommentieren

Ankara`ya gittik

Hallo ihr Lieben!

 

Dieses Wochenende habe ich es geschafft, mir mit drei Freundinnen (Rebecca, Katharina und Julia) die Hauptstadt Ankara anzusehen. Ankara ist 450 km von Istanbul entfernt und hat ca. 4 Millionen Einwohner (Istanbul um die 15). Wir sind freitagabends um zehn Uhr mit dem Zug gestartet und Samstag früh um acht angekommen. Der Zug war überraschenderweise sehr modern und vor allem die Sitze waren echt riesig. Man kann damit also recht komfortabel reisen und dann ist es auch noch total billig. Wir haben für den Hinweg ca. acht Euro gezahlt. Damit kommt man in Deutschland bei der Bahn nicht sehr weit… Julia und ich hatten das Glück, das die Reihe hinter uns dann auch noch um drei Uhr nachts frei wurde so dass jede von uns sich dann über eine Reihe ausbreiten und noch einmal vier Stunden wie in einem Bett schlafen konnten (naja fast).

Samstag haben uns dann Freunde von Rebecca am Bahnhof mit dem Auto abgeholt. Das war echt gut, weil der ziemlich außerhalb war und es auch ganz schönkalt war. Die Freunde, die jetzt auch ein bisschen die von uns allen sind, waren Elina und Marc. Elina studiert an der gleichen Uni wie Rebecca, macht aber ihr Erasmus Jahr in Ankara an der Bilkent Universität. Dort hat sie ihren Freund Marc kennen gelernt, der trotz des Namens Türke ist aber dank der englischsprachigen Schule an der er war richtig gut Englisch spricht… In Marcs Wohnung durften wir netterweise dann auch von Samstag auf Sonntag übernachten. Die beiden haben sich auch das ganze Wochenende ganz lieb um uns gekümmert und uns herumgeführt.

Erst einmal konnten wir aber unsere Sachen in Marcs Wohnung ablegen. Nachdem wir uns alle mal kurz im Bad ein bisschen frisch gemacht hatten sind wir los zum Frühstücken. Sie haben uns ein richtig nettes Cafe gezeigt wo man echt günstig einen großen Frühstücksteller bekommen konnte. Wir hatten alle voll Hunger und haben es uns erst Mal richtig schmecken lassen…

Danach sind wir ca. 30 Minuten durch die Stadt gelaufen, hin zum Anit Kabir. Das ist die Stätte, an der das Mausoleum von Atatürk steht. Falls es jemand noch mal wissen will: er ist der Gründer der türkischen Republik (1923) und er ist hier echt ein Heiliger. Wenn ihr jetzt denkt: „ach, Mausoleum, gääähn“, dann liegt ihr falsch. Der Bau dem die ihm hingeklotzt haben, hätte auch griechischen Göttern alle Ehre gemacht. Es ist wirklich riesig und sieht schon toll aus (Fotos auf Ringo). Dazu ist dann dort auch noch ein Museum untergebracht, das zwar ganz schön gemacht ist aber teilweise ein bisschen zu ausschweifend und kitschig ist (naja, vielleicht für meinen deutschen Geschmack?). Von außen denkt man, es ist klein, aber wenn man erst mal drinnen ist erweist es sich als unendlich langer Gang, durch den man auch ganz durch muss weil es keine Abkürzungen gibt. Am Mausoleum war auch richtig was los. Da sind echt viele Türken gewesen und halt auch Schulklassen und so. Als wir aus dem Museum raus sind saßen wir auf Steintreppen und neben uns eine Horde türkischer Teenies. Die waren total fasziniert von uns, es war mir echt schon richtig peinlich. Die konnten dann auch ein paar Wörter deutsch und waren total stolz, die an uns auszuprobieren. Ich war auf einmal so halbwegs mitten zwischen ihnen und froh als sich Katharina meiner erbarmt und mir ein wenig bei der Konversation geholfen hat. Noch froher war ich, als wir dann weiter sind. J

Anschließend sind wir mit dem Taxi nach Ulus, dem Burgviertel gefahren. Da stehen die Überreste einer mittelalterlichen Burg und außen herum und in den Burgmauern stehen Häuschen, die genauso alt aber weitaus weniger charmant wirken. Auf deutsch: das ist die Gegend, in der die Leute nicht leben sondern hausen. Es sieht da echt schlimm aus, alles ist alt und verfallen, kaputte Fensterscheiben, blanke Mauern. Ich würde mal sagen, da ist Armut pur. Die wenigen Leute die wir auf der Straße sahen waren alte Frauen, die selbstgemachten Schmuck verkauften und kleine Kinder, die Fußball gespielt haben. Es handelt sich hier echt um ein großes Gebiet. Wenn man auf der Burgmauer stand konnte man gut auch nochmals den Kontrast zwischen den Massen an Regierungsgebäuden (modern, riesengroß, manche etwas militärisch angehaucht und fast bedrohlich wirkend) in der Ferne und dem Gecekondu (dem türkischen „Slum&ldquo im Umfeld der Burg sehen.

Der Rest der Stadt wirkt übrigens fast wie eine deutsche Stadt, vor allem die Wohngegenden. Das liegt daran, dass die Stadt von deutschen und schweizer Stadtplanern entworfen wurde. Ankara ist also komplett anders als Istanbul.

Im Anschluss haben die beiden uns ihre Universität gezeigt. Das war schon recht beeindruckend. Es ist nicht nur eine Uni dort sondern es ist ein riesiges Gelände, fast ein Städtchen und es ist in Privatbesitz. Dort befindet sich ein großes Einkaufsgebiet mit Mall, sogar ein Praktiker lässt sich finden. Es gibt Wohnhäuser, Geschäfte und und und… Für die Studenten gibt es eigens ein gratis Fitnesstudio (und frage nicht wie das ausgestattet war, echt hammer!) und noch viel viel mehr… Man kann sich das so gar nicht vorstellen aber es ist echt krass. Das Ziel war angeblich mal irgendwann einen Wohnort für Wohlhabende und Gebildete Leute aufzubauen und das ist denen glaube ich ganz gut geglückt… Es ist alles sehr modern.

Trotz allem bin ich froh in Istanbul zu sein, da die Bilkent Uni doch ein bisschen außerhalb liegt und man mit einem Shuttlebus (der nicht soooo oft fährt) oder dem Taxi auskommen muss. Zudem gefällt mir die Stadt hier einfach besser. Und ich habe das Gefühl es gibt hier viel mehr zu sehen. Ich fühle mich halt hier jetzt auch einfach schon so wohl.

Was noch dazu kommt (und das sagt auch Marc, der eigentlich aus Izmir kommt) ist, dass das Umland von Ankara echt nicht so toll ist. Da ist nämlich nichts, wirklich nichts. Keine Stadt, kein Wald, kein gar nichts. Nur Hügel und Steppe und es ist alles grau und steinig.

Samstag abend waren wir dann in einer Kneipe, in der ganz viele Studenten von der Bilkent waren und richtig abgefeiert haben. Rebecca auch und Julia teilweise, aber Katharina und ich hatten keine Lust was zu trinken und waren einfach viel zu kaputt (da hätte echt dann nur noch der eine oder andere Tequila geholfen und da hatten wir in dem Moment keine Lust darauf). Wir haben uns dann aber trotzdem gut amüsiert indem wir ein Bier getrunken und die Leute beobachtet haben. Das hat auch Spaß gemacht, was man da so alles sieht wenn man da so sitzt ;-). Da war echt ganz schön was los (ein Abschleppunternehmen ist ein Dreck dagegen).

So um zwei Uhr waren wir dann aber auch schon daheim und haben am nächsten Tag erst mal richtig ausgeschlafen. Da haben wir auch nicht mehr viel machen können, weil wir zurück mit dem Bus gefahren sind und der schon um vier Uhr abfuhr… Aber für ein gemütliches Pizza essen, einen kleinen Spaziergang und einen Kaffee bei Starbucks hat es gereicht. Aber ein bisschen Trödeln muss ja auch mal sein, oder?

Fazit: Es war schön, Ankara mal gesehen zu haben, aber ein Wochenende reicht meiner Meinung nach dafür.

Nächstes Wochenende fahre ich übrigens mit Julia nach Konya. Mal sehen, wie es uns dann da so gefällt.

Sonst gibt es nicht viel Neues. Ich habe letzte Woche endlich auch mal zwei gute Prüfungen heraus bekommen und mich gefreut. Heute hatte ich meine letzte Zwischenprüfung und sie ist ganz gut gelaufen. Morgen werde ich vermutlich VWL heraus bekommen und das ist nicht gut. Die Lehrerin hat gesagt, der Schnitt liegt bei 30 %. Krass oder? Da war ich wohl nicht die einzige, die ins Klo gegriffen hat ;-).

Also nächste Woche ein Bericht aus Konya, versprochen!

Liebe Grüße

Birgit

1 Kommentar 11.12.06 19:07, kommentieren

Mein schöner schöner Geldbeutel! Schluchz!

Letzten Mittwoch bin ich um ein Uhr von zu Hause aufgebrochen um zur Uni zu gehen. Ich bin zur Bushalte gelaufen, in den Bus gestiegen, einmal umgestiegen und dann an der Uni angekommen. In der ersten Zwischenpause um drei Uhr wollte ich Moni bitten, mir etwas zu essen mitzubringen und siehe da: mein Geldbeutel war weg! Meine Freunde meinten, dass ich den sicher zu Hause vergessen hätte und da ich an dem Tag ein bisschen in Eile gewesen war, habe ich es ihnen so halbwegs abgenommen. Ich bin aber trotzdem mit einem ungutem Gefühl im Unterricht gesessen. je später es wurde, desto aufgeregter war ich und desto sicherer, dass ich ihn nicht daheim liegen lassen hatte. Um fünf bin ich dann heim gefahren und Rebecca die Gute ist noch mit zu mir weil ich so aufgeregt war. Und tatsächlich war er weg: mein schöner Geldbeutel!

Wir haben alles abgesucht und er ist nicht mehr aufgetaucht. Jeder, der mich besser kennt, weiß, wie sorgfältig ich mit meinen Sachen bin. Noch nie habe ich ein Handy, einen Geldbeutel oder etwas Ähnliches verloren. Daher lag der Schluss, dass er geklaut wurde nahe! Und gerade hier in Istanbul ist das nun wirklich an der Tagesordnung. Er wurde meinem Kumpel Mirco, dem Vater von meiner Freundin Katharina und der Freundin meines Mitbewohners Yasmin (ihr sogar zwei mal) schon geklaut. Ich habe echt keine Ahnung wie es passieren konnte, ich war in keinem Gedränge oder so und habe echt auf meine Sachen aufgepasst. Aber so was passiert hier wohl eben.

In dem Geldbeutel waren 100 Lira (ca. 50 &euro, mein Studentenausweis, meinen Personalausweis, meine Bankkarte, meine Kreditkarte und meine Aufenthaltsgenehmigung. Daher war der erste Schritt, dass ich die Karten habe sperren lassen. Dazu habe ich die Citibank angerufen und wurde ca. 4 Mal durch die Gegend verbunden, bis alle beide Karten gesperrt und neue beantragt waren. Die Neuen bringen mir dann meine Eltern mit, wenn sie mich nächstes Wochenende besuchen kommen. Solange habe ich glücklicherweise noch meine Raiffeisenbankkarte, die ich nie dabei hatte, weil ich hier nur von der Citibank abgehoben habe (da war es kostenlos).

Donnerstagmorgens bin ich dann erst einmal zu meiner Betreuerin und habe sie gefragt was ich jetzt als nächstes machen soll. Sie war voll lieb und hat mir einen Kakao ausgegeben. Dann hat sie gesagt, ich müsse zur Polizei und das ganze melden, da ich sonst keinen neue Aufenthaltsgenehmigung bekommen würde. So habe ich dann Yusuf angerufen, der 2,5 Stunden später kam und mit mir zur Polizei ist. Das hat sich als klug erwiesen, weil die uns erst gar nicht dran nehmen wollten. Da seien sie nämlich nicht zuständig und wir müssten dahin gehen wo ich den Geldbeutel verloren habe. Da ich das aber doch gar nicht weiß, hat sich Yusuf durchgesetzt und sie haben meinen Fall aufgenommen. Mit der Bestätigung in der Tasche ging ich wieder in die Uni, wo meine Betreuerin mittlerweile herausgefunden hatte, dass ich einige Formulare ausfüllen und damit dann zur Ausländerpolizei gehen müsse um eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen.

So habe ich mich dann am Donnerstag durch die Formulare gewühlt und bin am Freitag morgen losgezogen. Katharina ist netterweise mitgekommen um mich seelisch und sprachlich zu unterstützen! Ich war echt durch den Wind letzte Woche, von daher war das voll gut…

Auf dem Amt habe ich nämlich dann wirklich noch starke Nerven gebraucht! Wir waren so um viertel vor zehn dort und haben uns erst mal dem hier allgegenwärtigen und obligatorischen Sicherheitscheck unterzogen. Nachdem sicher war, dass wir keine Bomben und auch kein MG dabei hatten durften wir ins Gebäude. Dort wurde erst einmal unser Pass begutachtet und registriert, dass wir jetzt auch wirklich da sind (für den Fall dass wir uns irgendwo verstecken und aus einem Kugelschreiber und ein bisschen Knetgummi eine Bombe basteln könnten). So weit so gut. Dann haben wir auf einer schönen Hinweistafel sogar noch auf Anhieb gefunden wo die Abteilung ist, zu der wir mussten. Das war zu viel des Guten, so konnte es schließlich nicht weiter gehen.

Dort angekommen gab es nämlich ca. 10 verschiedene Schalter für verschiedene Angelegenheiten: Erstantrag, Verlängerung, Kasse und und und. Leider aber keinen für Leute, deren Aufenthaltsgenehmigung verloren gegangen oder geklaut worden ist (kommt ja hier so selten vor oder was?). Also haben wir uns eben auf gut Glück einige Minuten lang wo angestellt bis uns aufgefallen ist, dass die ganzen anderen Leute kleine Zettel mit Nummer haben. Da hätten wir auch gleich dran denken können, aber wir waren an keinem Automaten vorbeigekommen. Auf Nachfrage wurde uns gesagt wo wir eine bekommen können: einfach fünf mal um die Ecke den Gang entlang und da wo es am dunkelsten ist und du es gar nicht erwartest. ;-)

Das Schärfste war, dass ich einen Automaten erwartet hatte. Aber Birgit! Nicht doch bei der Polizei! Bei der Post oder der Bank ja, aber bei der Polizei doch nicht! Tztztz. Schade, dass ich das nun wirklich nicht fotografieren konnte, aber da saß im letzten Eck eine Polizistin auf einem Stuhl und hatte drei oder vier verschiedene kleine Blöckchen auf die sie selbst die Nummern schrieb. Ein Block für jede Art von Schalter. Nach einem kurzen Blick auf mein eigens verfasstes türkisches Bittschreiben (drei fehlerfreie Zeilen da von Yusuf korrigiert) hat sie mir dann einen Zettel in die Hand gedrückt, der mich dazu berechtigte, mich bei der Erstbeantragung anzustellen. Und wie habe ich mich gefreut als ich da die zweite war und sofort dran kam. Und wie habe ich geflucht als ich weiter geschickt wurde und zwar so, dass ich kein Wort verstanden habe. Aber mit einigen eloquenten Gesten und dem mehrfachem Wiederholen des Wortes Index Cards Office wurde mir / uns dann klar, wo ich hinsollte. In diesem Miniraum war eine lange Theke mit drei Polizisten. Die hatten immer so lange einen Heidenspaß miteinander bis der Chef außen mal wieder vorbei lief. Alle „Kunden“ in diesem Raum wurden die Theke entlang weitergeschoben und wenn man Glück hatte (so wie ich) bekam man von jedem der netten Männer einen Stempel oder zwei!

Dann bin ich also zurück zu meinem ersten Polizisten. Dort habe ich einige Zeit gewartet, brav in der Schlange. Freudig habe ich seinem Kollegen meine Papiere entgegen gestreckt  mit der Erwartung: Stempel  = Aufenthaltsgenehmigung. Wieder ein Irrtum, denn dafür wollte der gute Mann nicht verantwortlich sein. Da hat er mich gleich mal zu den drei Verlängerungsschaltern geschickt, von denen nur zwei besetzt waren und eine ganz schöne Schlange war…Nach einigen Minuten ist mir aufgegangen, dass ich schon wieder keine Nummer hatte. Mist! Also bin ich zu der netten Dame mit den Nummern und habe mit Bestimmtheit sagen können, dass ich eine Nummer für die Verlängerungsschalter brauche. Und soll ich euch was sagen: Das hat sie mir nicht geglaubt! Sie hat mit mir das Diskutieren anfangen wollen, wobei sie mit meinen miserablen Türkischkenntnissen und meinen blanken Nerven nicht gerechnet hatte. Irgendwann habe ich ihr dann solange mein Bittschreiben unter die Nase gehalten bis sie es auch gelesen hat und mir zugestimmt hat, dass ich tatsächlich eine Nummer für die Verlängerungsschalter benötige. Und da gab sie mir die Nummer 66. Die weitreichende Bedeutung dieser Nummer wurde mir klar, als ich zum Schalter kam und gerade jemand mit der Nummer 43 oder so dran war… heul! Also haben wir gewartet und gewartet und gewartet und immer wenn wir der 66 näher gekommen sind tauchte wie von Zauberhand wieder jemand auf, der irgendwoher die Nummer 23 hatte… Und genau dann hat es meistens besonders lange gedauert L. Schließlich war es kurz nach zwölf Uhr und die Nummer 65 war an der Reihe! Mensch habe ich mich gefreut. Und dann sagt der gute Mann irgend etwas von Mittagspause und nach eins dann wieder und schwupps waren alle anderen aus der Schlange verschwunden. Ich hatte gar keine Lust bis nach der Pause zu warten und habe deshalb einfach auf dumm gemacht und bin stehen geblieben. Und tatsächlich hat er sich meine Sachen noch angeschaut. Und mir dann gesagt, dass ich nach eins wieder kommen muss…Freunde, ich kann euch sagen, das war der Punkt an dem ich echt keinen Bock mehr hatte. Also gut, habe ich eben bis ein Uhr gewartet und mich in der Zwischenzeit von so einem affektiertem deutschen Ingenieur oder so volltexten lassen. Und dann war ich tatsächlich fast gleich an der Reihe. Und der gute Mann hat gemacht was ich erwartet hatte: mein Zeugs bearbeitet und mich an den nächsten Schalter geschickt. Dort haben sie mir dann aber glücklicherweise nur noch 35 € an Gebühren abgenommen und mir einen Abholschein in die Hand gedrückt. Um 13:45 habe ich den Himmel wieder sehen können!!! Mensch war das schön!

Nächste Woche kann ich dann hin und mir die neue Aufenthaltsgenehmigung abholen. Schade, dass ich das alles weder filmen noch fotografieren konnte… Das wären Erinnerungsfotos geworden.

Aber Leute: eigentlich ist es doch auf einem deutschen Amt manchmal auch nicht viel anders oder? (Guckt nicht so böse Sandra und Steffie und Dani, euch meine ich nicht!!!). Da versteht man oft auch kein Wort von dem, was die einem da sagen, selbst wenn es in deutsch ist ;-).

In diesem Sinne drückt mir die Daumen für meinen nächsten Amtsbesuch!

(Übrigens: Kennt jemand von euch den Asterix-Film in dem er durch so ein altes römisches bürokratisches Amt hechtet um einen Antrag zu bekommen und dabei halb irre wird? der ist echt gut&hellip

Liebe Grüße

Birgit

 

1 Kommentar 18.12.06 17:55, kommentieren

Konya

Letztes Wochenende war ich also in Konya, das ist eine Stadt mit ca. 700000 Einwohnern und liegt ziemlich im Zentrum der Türkei. Ich bin gemeinsam mit Julia hingefahren, die aus Österreich kommt und auch an der Bogazici studiert. Da die Züge dahin zu recht blöden Zeiten fahren haben wir beschlossen die Busfahrt von ca. 10 Stunden auf uns zu nehmen. Schon im Bus hat man gemerkt, dass man nicht nach Antalya fährt. Die meisten waren ältere Leute und sahen eher traditionell aus von ihrer Kleidung her. Nachdem ich eine halbwegs bequeme Stellung gefunden hatte habe ich es auch geschafft ein bisschen zu schlafen. Wir sind nämlich Freitagabend um neun los gefahren um samstagmorgens anzukommen.

Um ungefähr sieben Uhr waren wir dann auch dort und haben uns erst einmal den Weg zur Strassenbahn gesucht. Es war ganz schön kalt. Aus Istanbul bin ich so meine zehn Grad ungefähr gewohnt und in Konya hatte es ein bisschen unter Null Grad. Aber das wussten wir ja schon vorher und hatten daher entsprechende Klamotten dabei.

Im Zentrum angekommen sind wir auf die Suche nach einem kleinen Hotel gegangen, dass mein Reiseführer (danke Mädels, danke!!!) empfohlen hat weil es sehr sauber und günstig ist. Nachdem wir es endlich gefunden hatten sind wir zur Rezeption und tatsächlich waren sie bereit uns ein Zimmer für diese Nacht zu geben. Und es war tatsächlich alles so sauber wie es im Reiseführer steht.

Als nächstes haben wir auch noch ein ganz leckeres Frühstück bekommen: ein Sandwich aus Fladenbrot, Käse, Tomate und Petersilie (warm und knusprig), Tee und einen Erdbeerjoghurt. Frisch gestärkt zogen wir los um die Stadt zu erkunden.

Das Besondere in Konya ist, dass dort einmal Mevlana gelebt hat. Er war ein geistlicher und spiritueller Gelehrter. Er hat im 13. Jahrhundert n. Chr. sehr viele Gedichte und andere Werke geschrieben und war ein sehr weiser Mann. Als seine Anhänger einen anderen Gelehrten töteten, weil sie eifersüchtig auf dessen großen Einfluss auf Mevlana waren, war Mevlana so geschockt, dass er in Meditation versank und daraufhin einige seiner größten Werke schrieb. Auch ihr vielleicht noch nicht von ihm gehört habt: er ist hier sehr wichtig und wird nach wie vor verehrt. Es heißt, dass er mit seinem Tod die Vereinigung (oft Hochzeit genannt) mit Allah erreicht habe. Seine Anhänger schlossen sich darauf hin zu so genannten Derwisch-Orden zusammen. Man kann sich eine Art Bruderschaft darunter vorstellen, ein bisschen ähnlich einem christlichen Kloster. Um zum Derwisch zu werden musste man 18 verschiedene Stufen durchlaufen. Die Derwische selbst sind am meisten für ihren wunderbaren Tanz bekannt, den sie in Trance durchführen. Dabei tragen sie weiße lange Röcke und weiße Jacken. Sie drehen sich minutenlang im Kreis und geben ein sehr beeindruckendes Bild dabei ab. Wenn ihr euch das jetzt nicht vorstellen könnt schaut mal auf meine Bilderseite, da habe ich zwei Bilder eingestellt davon.

Da dieses Wochenende das letzte Wochenende des jährlichen zweiwöchigen Mevlana-Festivals war, das mit dem Tag von Mevlanas Tod endet, hatten wir das große Glück für Sonntagmittag Eintrittskarten für eine dieser Vorstellungen zu bekommen. Es waren nämlich viele türkische Touristen da und große Busladungen von ihnen wurden auch am Sonntag noch von überall her, sogar aus Teheran, angekarrt.

Wir haben uns also am Samstag die Karten für Sonntag besorgt und haben uns sehr gefreut, dass wir welche bekamen. Anschließend haben wir das Mevlana Museum besucht. Dazu muss man sagen, dass dies kein Museum herkömmlicher Art ist. Es besteht aus einer Art Schrein, in dem Mevlana selbst und einige andere wichtige Persönlichkeiten in Türben begraben sind. Dann sind da noch die Gebäude, in denen er und die Derwische gelebt haben. In einem von ihnen kann man sich alte Gegenstände anschauen und sich über die Lebensweise der Orden informieren.

Das Ganze war sehr beeindruckend, aber leider sehr voll von hunderten alter Leute mit sehr wenig Rücksicht für andere. (Ich habe einen Krückstock also darf ich dich wegschubsen wo ich will&hellip Wir mussten übrigens dort Kopftücher tragen, eine der wenigen Gelegenheiten bisher. Wenn man nicht eine Moschee oder einen ähnlichen Ort betreten will muss man hier nirgendwo eines tragen.

Als wir in dem Schrein standen, der einer Moschee nicht unähnlich war (von der Größe und den Verzierungen her), hat es uns sehr bewegt, als wir gesehen haben, wie viele Menschen tatsächlich am Rande standen oder saßen und teils weinend im Stillen für Mevlana gebetet haben. Aus dem Lautsprecher wurde eine mysthische typische Derwisch-Musik abgespielt und die Menschen waren komplett in sich versunken. Es war eines der Erlebnisse, die ich nie vergessen werde, da bin ich mir sicher.

Das Wetter war sehr schön und so beschlossen wir, noch in ein weiteres etwas weiter entferntes Museum zu laufen. Der Reiseführer sagte, wir sollen einfach über den Friedhof drüber laufen, das sei der kürzeste Weg. Hm, also so ein türkischer Friedhof ist nicht unbedingt mit den Friedhöfen zu vergleichen, auf denen ich bisher war. Erst einmal war er riesig! Gut, ich habe mir von Julia, die aus Wien kommt, sagen lassen, dass das jetzt nichts ungewöhnliches ist, wenn man nicht gerade von so einem Kaff kommt wie ich ;-).

Und dann war es interessant, zu sehen, dass dort alles viel ungeordneter zu sein scheint. Die Grabsteine stehen wo sie halt gerade hingefallen sind, so macht es den Eindruck. Nicht so wie bei uns: alles im 90°-Winkel ausgerichtet und alles die gleiche Größe und so… Aber diese Masse an weißen Grabsteinen aus den verschiedensten Jahrhunderten war echt interessant.

Den Friedhof einfach durchqueren erwies sich als nicht so einfach, da es viele Ausgänge gab, die aber alle verschlossen waren. Schließlich trafen wir einen Mann und fragten ihn nach dem Weg zu dem Museum und er konnte es uns glücklicherweise beschreiben.

Zehn Minuten später waren wir dort. Das Museum zeigt die Sammlung eines verstorbenen Mannes, der so ziemlich alles gesammelt hat was man sich so vorstellen kann: einen Mammutknochen, ottomanische Gewänder, Teppiche, Münzen, Schallplatten und und und… Uns hat das echt gut gefallen, weil es mal was anderes war. Und es waren viele alte Bilder von Konya dabei, was wir interessant fanden.

Danach war es schon früher Nachmittag und wir hatten richtig Hunger. Also haben wir den Reiseführer befragt und eines der Restaurants angesteuert. Dort haben wir dann Pide bestellt mit Käse und Hackfleisch und es waren riesige Portionen, die einen tollen Geschmack hatten. Das war eines der besten Pide, die ich bisher gegessen hatte. Zu zweit haben wir dann stolze 4 € gezahlt für zwei Mal Pide und zwei Getränke. Krass oder? In Konya war das Essen wirklich wahnsinnig billig, da haben wir ganz schön zugelangt J.  Auf dem Weg zum Hotel haben wir uns noch jede einen Sütlac schmecken lassen, das ist ein türkischer Nachtisch und eine Art Milchreis mit Zimt.

Und dann haben wir uns echt erst einmal zwei Stunden aufs Ohr legen müssen… Das ganze Laufen an der frischen Luft und das gute Essen haben sich bemerkbar gemacht.

Am frühen Abend waren wir dann noch einmal in der Stadt unterwegs und haben ein bisschen gebummelt. Als wir langsam wieder müde wurden haben wir uns in ein anderes Restaurant gesetzt und das war eine interessante Erfahrung. Unten waren viele Männer und haben Tee getrunken und Wasserpfeife geraucht. Zum Essen war uns das nicht so recht, daher sind wir die Treppe hoch wo uns ein Kellner sofort in eines der Nebenzimmer verfrachtet hat wo eine Familie saß. In einem anderen Nebenzimmer muss eine Art Männerversammlung statt gefunden haben. Da kamen immer mehr und die Schuhe ließen sie vor der Tür. Was das wohl genau war? Das wir in ein Familien- bzw. Frauenzimmer dieser Gaststätte „verbannt“ worden sind haben wir erst gemerkt als wir dem Kellner nach dem Essen gesagt haben, dass wir unten noch Wasserpfeife rauchen möchten. Der hat uns nur entgeistert angeschaut und gemeint, er bringt sie uns nach oben. Er wollte uns wirklich nicht unten rauchen lassen. Da hätten wir eigentlich selbst drauf kommen können. Konya ist eben eine konservativere Stadt und wir haben abends auch nur noch wenige Frauen auf der Straße gesehen. Auch mit Disco oder so ist da wohl nicht viel und ein Bier wird man auf den wenigsten Speisekarten sehen… Dann haben wir eben oben Nargile geraucht. Da war es eben nur nicht so gemütlich weil unten lauter so kleine Sessel und so standen und wir oben an einem Esstisch saßen. Der Kellner, der vielleicht in unserem Alter war, kam immer wieder und wir haben auch ein paar Worte mit ihm geredet. Als wir gegangen sind hat er uns dann auch prompt seine Visitenkarte in die Hand gedrückt mit Handynummer und allem drum und dran. War lustig.

Wir wurden dieses Wochenende auch noch zwei oder drei Mal mehr angemacht aber man muss echt sagen, dass es viel angenehmer war als anderswo. Die Männer haben nämlich fast augenblicklich aufgegeben wenn man ihnen gesagt hat, dass man einen Freund hat und dass man kein Interesse hat. Es war also echt in Ordnung.

Am Sonntagvormittag haben wir dann noch mal einen Spaziergang um den Aladdin Hügel im Stadtinneren gemacht, wo eine schöne alte Moschee steht und von wo aus man eine nette Aussicht hat. Die vielen Teegärten dort waren leider geschlossen (naja es ist halt Winter) aber im Sommer muss es da echt toll sein.

Gegen Mittag haben wir uns auf die Suche nach dem Kulturzentrum gemacht, in dem die Vorstellung der Derwische stattfinden sollte. Nach kurzem Suchen haben wir sie auch gefunden und waren überrascht von dem modernen großen und ziemlich neuen Bau. Leider mussten wir dann noch ziemlich lange warten. Um ein Uhr hätte es los gehen sollen. Da waren aber noch nicht mal die Hälfte der Zuschauer da. Um zwei war es recht voll schon, aber da kam dann erst noch ein türkischer Sänger, dessen Gesang meine Ohren jetzt nicht wirklich erfreut hat wenn ich ganz ehrlich bin. Aber die anderen Zuschauer waren begeistert. Um halb drei ging es dann endlich los und es war wirklich toll. Die Musik war sehr beruhigend und dann den sich drehenden Tänzern zuzusehen… Ich habe auch ein kleines Video gemacht, dass ich dem einen oder anderen von euch dann mal zeigen kann wenn ich zurück bin.

Am späten Nachmittag waren wir dann Pizza essen und anschließend haben wir unsere Rucksäcke aus dem Hotel geholt. Auf dem Busbahnhof bin ich dann zu einem Schalter gegangen und habe auf Türkisch gefragt von wo denn unser Bus abfährt. Die Gesichter wenn so ein ausländisches Blondchen kommt und die Leute auf Türkisch anspricht sind immer wieder toll ;-). Nach der erwünschten Antwort wurde ich dann tatsächlich gefragt ob ich Türkin sei (also natürlich hat er nicht gemeint, dass ich in der Türkei lebe aber halt ob ich zum Beispiel als Halbtürkin zu Besuch sei oder so&hellip. Das gibt einem immer so ein kleines Hoch wenn man mit seinem Türkisch irgendwie zurecht kommt ohne das Wörterbuch zu benutzen…

Die Heimfahrt war dann wesentlich schlechter als die Hinfahrt. Um acht Uhr ging es los und es wurde ein Film gezeigt: Last Samurai mit Tom Cruise auf Türkisch. Das finde ich immer schön wenn ein Film kommt und man kann das Hörverstehen üben. Aber dieses Mal war ich zu müde. Dann haben wir andauernd angehalten wenn ich kurz vor dem Einschlafen war um noch irgendwelche Leute einsteigen zu lassen oder zu tanken oder sonst was. Einmal stand mitten in der Nacht ein Gendarm vor meiner Nase, mit Waffe und Militäruniform und hat unsere Ausweise kontrolliert. Da war eine Gendarmerie Station mitten in der Pampa und denen war wohl langweilig…

Ich war echt froh als wir am nächsten Morgen um sechs Uhr endlich in Istanbul ankamen. Um halb acht Uhr war ich dann auch schon daheim wo ich erst mal ausgiebig geduscht habe. Anschließend habe ich dann noch einige eurer E-Mails beantwortet und um elf Uhr ging eine ziemlich zerknautschte Birgit in die Uni zu ihrem Türkischkurs. Ich habe dann sogar noch bis abends um elf durchgehalten aber danach habe ich verdammt gut geschlafen!

Das Wochenende war echt schön und hat mich wieder mit der Welt versöhnt nach der Geldbeutelgeschichte letzte Woche… Konya ist zwar eine recht konservative Stadt aber wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und hatten nicht das Gefühl, dass uns jemand blöd angeschaut hat weil wir kein Kopftuch tragen. Und das obwohl außer uns nur ganz wenige westliche Touristen dort waren.

Jetzt kommen dann erst mal meine Eltern und der Steffen. Vielleicht  kommt zwischendrin ein kurzer Blog von mir.

Ansonsten wünsche ich euch allen schon mal ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Alles Liebe,

Birgit

20.12.06 10:07, kommentieren