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Woche vom 17.-22.9.2006

Hi ihr alle!

 

Ich bin jetzt in Istanbul angekommen und ich kann euch sagen, es ist ein großes Abenteuer!!!

Und die Busfahrt am Sonntag war sehr unspektakulär im Vergleich zu der turbulenten Woche die wir jetzt hinter uns haben… ;-)

Also Sonntag war ein sehr anstrengender Tag, wir haben immerhin 12,5 Stunden im Bus zurückgelegt. Und es gab auch tatsächlich nicht sehr viel zu sehen, zumindest nicht so viel wie ich gehofft hatte. Aber ein freundlicher Bus-Steward hat uns zumindest regelmäßig Wasser und Kaffee und Tee und Cola serviert. Es war ein Bordbildschirm an Bord und es kam Harry Potter auf Türkisch. Sehr lustig und welche Freude: Ich habe ca. 2,5 Sätze verstanden, lach! In dem Reisebus gab es einen Lautsprecher über jedem Sitz, den man einzeln ein- und ausschalten konnte. Ein Typ auf der anderen Seite des Gangs hat sich dann beschwert, dass ihm das ganze zu laut ist. Also hat der Steward seines ausgeknipst und weil ich ja eh nichts verstehe (dumme Deutsche die ich doch bin) hat er doch meins auch gleich mal ausgeknippst!!! Das war ja wohl nicht sehr nett oder? Aber naja, Schwamm drüber. Etwas später hat dann Katharina einen Anruf gekriegt und die Frau hinter mir stupste mich an und sagte mir, dass wir sofort das Handy ausschalten müssen, es sei sehr gefährlich. Das haben wir dann sicherheitshalber mal gemacht obwohl wir keine Ahnung hatten was daran wohl gefährlich sein könnte… Wir haben sie bei der nächsten Pause mal gefragt und sie hat uns gesagt, dass sie Ingenieurin ist und dass Handys in den Bussen verboten sind weil sie das Bremssystem stören!!! Daraufhin haben wir beschlossen, dass wir doch lieber unsere Handys ausmachen… Übrigens hat sie uns nicht veräppelt, auch in den Istanbuler Stadtbussen ist es teilweise verboten. Wir sind dann erst sehr spät in Istanbul angekommen und sind einfach in das einzige Hostel in der Nähe gegangen: das Chill-Out-Hostel

Um dahin zu kommen, mussten wir erst mal unser komplettes Gepäck sehr sehr weit durch die Gegend ziehen, bis wir endlich dort waren! Dann mussten wir unser Gepäck in den vierten (!) Stock tragen, was nur mit vereinten Kräften möglich war. Und dann der Schock: das Doppelzimmer inklusive Bad erwies sich nicht gerade als sauber! Das Bad war ganz arg schrecklich. Die Klospülung hat nicht funktioniert und der Duschkopf ist ständig abgefallen. Es war auch keine richtige Dusche sondern da war halt einfach ein Schlauch neben dem Klo. Das Krasseste war aber der Boden: total schmutzig, Haare von fremden Leuten, tote Tierchen, bäääh! Im Schlafzimmer zwei ewig alte Matratzen (waren wir froh dass wir Schlafsäcke dabei hatten) und einige nette Tierchen, die wir sofort besprayt haben bis sie nicht mehr gezuckt haben. Da bin ich mittlerweile nicht mehr empfindlich, lieber Chemie als Kakerlake.

Wir wussten also sofort, dass wir hier nicht bleiben können auf Dauer.

Montag früh ging es dann gleich nachdem auch unsere spanische Freundin Cristina aus Antalya angekommen war weiter zur Uni. Der Verkehr hier ist ziemlich heftig und man braucht ewig bis man wo ankommt. Mit dem Bus waren wir dann aber nach ca. 35 Minuten dort. Vom Eingang muss man noch mal ca. 10 Minuten laufen bis man dann bei den für uns wichtigen Gebäuden ist. Es ist also ein richtig großer Kampus und sehr schön. Das sind richtig alte nette Gebäude, etwa so wie man es in den Filmen sieht, in denen diese amerikanischen Unis vorkommen. Echt toll, aber darüber schreibe ich ein anderes Mal mehr.

Im Büro für internationale Beziehungen angekommen wurden wir nicht gerade sehr freudig begrüßt, was wohl daran liegt, dass hier 140 Austauschstudenten sind und wir eben einfach nur zusätzliche Arbeit darstellen. Aber nach einigem Nachfragen hat sich unsere Koordinatorin namens Mine dann doch ein bisschen um uns gekümmert. Wir haben dann auch erfahren, dass wir hier noch mal einen Englischtest ablegen müssen und da habe ich schon ein bisschen Angst gehabt. Den haben sie dann für Dienstag festgelegt und es hat sich als reine Pro-forma-Sache herausgestellt… Mit Wohnungssuche wollte sie uns allerdings nicht helfen (die Mine). Nicht mal ein paar gute Tipps konnte sie uns geben.

Wir haben den kompletten Montag und Dienstag mit Formalitäten in der Uni verbracht, es war echt sehr anstrengend. Dafür sind wir jetzt eingeschrieben und einer aus dem Büro für internationale Beziehungen beantragt für uns unsere Aufenthaltsgenehmigung, wofür er uns dann gleich mal 15 € abknöpft, zusätzlich zu den 35 € die der Spaß kostet. Dafür müssen wir aber nicht zur Polizei und das ganze selbst regeln (das wäre schon sehr viel härter und wir haben im Moment echt andere Sorgen, so dass wir beschlossen haben, dass es uns das wert ist).

Am Mittwoch haben wir es dann endlich geschafft umzuziehen. Im Chill-Out-Hostel muss man nämlich bis 12 Uhr jeweils auschecken und das ging weder Montag noch Dienstag. Übrigens kann man da auch den ganzen Nachmittag nicht rein weil sie jeden Tag sprühen gegen Insekten… Erst wieder ab sieben Uhr abends. Da könnt ihr euch jetzt euren Teil denken. Ich habe übrigens alles fotografiert und werde euch ein paar nette Bilderchen ins Internet stellen damit ihr wisst wo ihr nicht schlafen wollt wenn ihr mal herkommt.

Also haben wir den ganzen Mittwoch vormitttag damit verbracht, etwas anderes zu suchen. Durch den Tipp eines Australiers haben wir dann ein kleines Hotel gefunden, dessen Flur und einige Zimmer im Moment renoviert werden (haben aber noch keine Handwerker gesehen). Daher können wir hier billig wohnen. Wir haben ein Zimmer zu dritt mit richtigen Betten und einem neuen Bad! Das war schon mal ein richtiger Fortschritt. Hier kann man duschen ohne sich aus Ekel eine Plastiktüte unter die Füße zu legen.

Dienstagabend waren wir übrigens mit den anderen Erasmusleuten und den Türken von einer Studentenorganisation zum Essen und dann noch zum Tee. Es war ganz nett aber wir waren alle froh als wir dann daheim waren und ins Bett konnten (Chill Out hin oder her).

Donnerstag haben wir dann endlich richtig aktiv angefangen nach Anzeigen wegen Zimmern zu schauen. Wir haben uns geeinigt, uns zu helfen und alles zusammen zu organisieren und anzuschauen. Wir waren fast den ganzen Tag unterwegs um  alle Stellen abzuklappern, an denen Aushänge waren, die für uns interessant sind. Dann haben wir ganz viele SMS und E-Mails geschrieben und haben einige Termine für Freitag gemacht. Das war heute, wir haben heute schon einiges gesehen und ich werde euch bald näheres berichten…

So waren also meine ersten Tage in Istanbul: sehr anstrengend, voll von Höhen und Tiefen und eine Masse verschiedenster Emotionen. Ich hoffe euch bald von meinem neuen Zimmer erzählen zu können!

Liebe Grüße an euch alle,

Birgit

4.10.06 11:03, kommentieren

endlich ein Heim!

Hallo ihr alle!

Nachdem wir nun die ganzen Nummern von den Vermietenden hatten haben wir so vielen wie möglich SMS geschrieben und angerufen. Wir haben uns dann Freitag und Samstag einige Wohnungen angeschaut und es waren doch einige ganz nette dabei! Allerdings muss man sich entscheiden, ob man spottbillig aber am A… der Welt oder in einer Bruchbude wohnen will oder ob man lieber ein bisschen mehr ausgibt und dafür supertoll lebt… Ich habe dann beschlossen, dass ich schließlich für 8 Monate hier bin und ich werde mich zum Lernen auch viel in meinem Zimmer aufhalten und daher habe ich mich für eines der schöneren Zimmer in besserer Lage entschieden. So haben das meine beiden Mitsuchenden übrigens auch gehalten.

Ich wohne jetzt also in einer Maisonette-Wohnung in Harbiye, was recht nahe am Taksim-Square liegt, der wiederum hier das Zentrum für alle abendlichen Unternehmungen ist. Ich wohne hier mit einem 27jährigen Türken namens Yusuf zusammen, der wirklich sehr nett ist und gerade sein letztes Jahr an der gleichen Uni macht an der auch ich bin. Ansonsten ist er auch Guide, allerdings für Türken, die in andere Länder fahren und nicht für Deutsche in der Türkei.

Mein Zimmer ist echt sehr groß und ich habe sogar ein eigenes Bad für mich alleine. Ich kann mich also in keinster Weise beklagen. Eingezogen bin ich hier übrigens am 25. September schon. Normalerweise müsste es auch klappen, dass ich vielleicht so ab nächster Woche dann hier auch Internet habe, so dass es für mich wieder leichter wird mit euch allen zu kommunizieren. Im Moment konnte ich mich bei kaum jemandem von euch melden, weil es in der Uni echt stressig war und ich im Moment nur dort ins Internet kann.

In der ersten Woche hat übrigens Katharina noch bei mir Unterschlupf gefunden weil ihr Zimmer erst eine Woche später freigeworden ist. Letzten Samstag ist sie dann ausgezogen von mir und wir haben zum ersten Mal seit 6 Wochen in getrennten Zimmern geschlafen. Sonntag habe ich dann prompt den totalen Depri bekommen, habe fast den ganzen Tag geheult weil ich so Heimweh hatte und mich so alleine gefühlt habe. Jetzt habe ich mich aber schon wieder gefangen und habe mich auch schon wieder daran gewöhnt alleine in meinem Zimmer zu sein.

Yusuf ist übrigens echt sehr nett. Er war schon in ganz vielen Ländern und hat unter anderem auch schon mal eine Zeit lang in Japan studiert. Er kann daher japanisch und macht nächste oder übernächste Woche wieder eine Tour nach Japan mit türkischen Touristen. ER ist also sehr beschäftigt im Moment, nimmt Katharina und mich aber trotzdem ganz oft mit wohin um uns schöne Sachen zu zeigen. Am Samstag waren wir z.B. mit ihm auf dem Konzert eines hier sehr berühmten türkischen Rocksängers namens Theoman und am Montag hat er uns mit zum Iftar genommen. Hier ist im Moment Rammadan, d.h. dass die Gläubigen im Moment von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und auch nichts trinken. Dafür treffen sie sich dann direkt nach Sonnenuntergang um richtig schön zu essen und sich zu unterhalten und alles. Yusuf selber fastet zwar nicht, aber Iftar findet er trotzdem toll J. Und Katharina und ich fanden es auch schön. Hier wird sehr viel gepicknickt und auch wir haben uns dann Essen auf die Hand geben lassen und saßen gemeinsam im Gras und haben es uns gut gehen lassen. Gestern abend hat er uns dann mitgenommen zu einem Konzert eines sehr berühmten Musikers hier. Er spielt Klarinette und er hatte seine Band dabei und sie machen sehr türkische Musik (ohne Gesang), so mit arabischen Rhythmen, wie man sich das eben hier so vorstellt…

Die Uni ist übrigens super. Der Südkampus zum Beispiel sieht echt aus wie auf den Bildern im Internet (www.boun.edu.tr). Man könnte meinen, man wäre auf dem Kampus einer englischen oder amerikanischen Eliteuni. Das liegt aber wohl einfach daran, dass die Uni aus dem ehemaligen englischen Roberts-College entstanden ist. Bei Gelegenheit lade ich auch hiervon mal ein paar Bilder hoch. So, über die Uni gibt’s dann jedenfalls nächstes Mal mehr!

Ich hoffe, euch geht’s allen gut! Danke für eure lieben E-Mails, ich werde mich bemühen, ab jetzt wieder schneller zu antworten!

Liebe Grüße

Birgit

4.10.06 11:03, kommentieren

Istanbul und seine Menschen

Was mich bisher am meisten an Istanbul fasziniert sind die Menschen hier. Es ist der Wahnsinn! Hier gibt es wirklich nichts was es nicht gibt und manchmal prallen Welten aufeinander.

Zum einen gibt es hier wesentlich weniger Frauen mit Kopftuch als man glaubt. Es kommt natürlich auch ein bisschen auf das Viertel an, in dem man sich bewegt, aber im Allgemeinen hatte ich doch mehr erwartet. In der Uni zum Beispiel gibt es dann doch einige. Für mich ist das schwer zu begreifen, da ich das Kopftuch bisher immer mit konservativ und Heimchen am Herd gleichgesetzt habe. Tatsache ist, dass es sehr selbstbewusste und kluge junge Frauen gibt, die ein Kopftuch tragen und trotzdem genau wissen, was sie wollen. In der Uni tragen sie meistens noch eine Mütze darüber, da es in der Türkei in öffentlichen Gebäuden (Verwaltung, Schule&hellip verboten ist, das Kopftuch zu tragen. Das mit der Mütze ist also ein kleiner Trick um das Verbot zu umgehen. Mützen sind nämlich nicht verboten…

Im Bus trifft man auf Geschäftsfrauen, die man sich westlicher kaum vorstellen könnte. Mit schicken Kostümen und Handtaschen oder Aktenkoffern ausgestattet stöckeln sie in ihren High-Heels durchs Leben. Eine von ihnen habe ich bei unserer Wohnungssuche kennen gelernt und sie hat uns dann ein bisschen von ihrem Leben erzählt, dass sie hauptsächlich damit verbringt auf Geschäftsreise zu sein. Diese Frauen machen den Männern hier ordentlich Konkurrenz und sie verdienen vergleichsweiße wohl auch ganz ordentlich.

Alte Menschen gibt es hier auch, aber nicht so viele wie in Deutschland. Um die 60 % der Türken sind jünger als 30 Jahre! Es gibt echt viele Kinder und eine Unmenge an jungen Leuten. Da die Plätze in den Unis hier dafür absolut nicht ausreichen gibt es eine ziemlich harte Aufnahmeprüfung, die ÖSS. Je besser man hierbei abschneidet, desto mehr kann man sich raussuchen an welche Uni man gehen will. Unsere Uni ist übrigens eine der beiden besten Unis hier in der Türkei. Wer als Türke dort studieren kann, kann ziemlich stolz auf sich sein. Manche sind das auch und lassen es ein bisschen raushängen, was manchmal etwas nervt.

Tja und die Männer… Ein Thema für sich. Nachdem ich ja in Antalya die eine Sorte von türkischen Männern kennen gelernt habe, die ständig versuchen zu baggern und einen herum zu bekommen war ich sehr erfreut, dass es auch noch ganz andere gibt. Hier in Istanbul gibt es wirklich Jungs, die ganz normal, fast schon europäisch sind. Zu der Seite gehört definitiv auch mein Mitbewohner Yusuf. Auch viele an der Uni sind sehr nett und zwar ohne Hintergedanken. Wenn man in den Touristenzentren unterwegs ist, gibt’s natürlich auch die von der Antalya-Fraktion.

Und in meinem Leben habe ich noch nie so viele Transvestiten gesehen wie in den letzten Wochen. Istanbul scheint die reinste Hochburg dafür zu sein, wahrscheinlich deshalb, weil sie in keiner anderen türkischen Stadt akzeptiert werden würden. Schwule hingegen gibt es sicher auch sehr viele, aber sie lassen es sich auf der Strasse nicht unbedingt so anmerken… Transvestiten haben da ja keine andere Wahl.

Auf Schritt und Tritt trifft man Leute, die auf den Strassen Dinge verkaufen. Teilweise sind sie vom Staat angestellt, wie zum Beispiel die Simithändler (Simit ist ein Gebäck) und andere wiederum versuchen einfach nur irgendetwas los zu werden um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Da kann man dann schon mal einzelne Päckchen Taschentücher oder Socken kaufen wenn man denn möchte. Schön sind die Plätze, wo Blumen verkauft werden. In allen Farben und Formen leuchten sie einem schon von weitem entgegen.

Die Menschen hier sind teilweise sehr an Werten wie Familie, Respekt und Höflichkeit orientiert. Wenn zum Beispiel jemand in den Bus steigt, der nicht gut laufen oder stehen kann, springen sofort mehrere Personen auf und bieten einen Platz an. Dabei ist das Stehen hier im Bus echt kein Spaß, zumal so eine Fahrt dann schon mal 45 Minuten oder mehr dauern kann. Mir gefällt das sehr gut, in Deutschland kümmert sich ja manchmal kein Mensch. Als ich letzte Woche für eine alte Dame aufgestanden bin, hat sie sich dann auch meine Tüte mit Wasserflaschen geschnappt und hat sie bei sich auf den Boden gestellt, so dass ich sie nicht halten musste. Das ist doch echt nett oder? Und wie sie sich gefreut hat, als ich auf Türkisch danke gesagt habe.

Wenn der Bus sehr voll ist und Leute hinten einsteigen werden auch von hinten die Fahrscheine nach vorne durchgegeben zum Kassierer und sie kommen auch alle wieder bei ihren Besitzern an. Niemand kommt auf die Idee schwarz zu fahren, egal wie voll der Bus ist…

Natürlich gibt es auch Menschen mittleren Alters, die mal abgesehen von ihrem südlichen Aussehen glatt deine Eltern sein könnten. Die meisten haben kein einfaches Leben. Es gibt hier kaum Regelungen bezüglich Arbeitszeiten und Urlaub, so dass 70-Stunden-Wochen bei mieser Bezahlung sehr oft auftreten. Und das Leben in Istanbul ist nicht gerade sehr billig größtenteils. Trotzdem kommen immer mehr Menschen aus dem Osten des Landes in die Stadt weil es dort noch viel schlechter aussieht, auch wenn der Staat sich bemüht, die wirtschaftliche Entwicklung dort zu fördern.

Wie ihr seht gibt es hier wirklich viel zu sehen. ;o)

Mal sehen was mir als nächstes einfällt, was euch vielleicht interessieren könnte. Ich denke aber mein nächster Blog handelt von meiner Zeit mit Steffen, der ja jetzt dann zu Besuch kommt. Für das Wochenende haben wir erst mal geplant, nach Antalya zu fahren zum Tauchen.

Viele liebe Grüße,

Birgit

 

 

1 Kommentar 11.10.06 10:56, kommentieren

Zurück aus dem Urlaub

So, ihr Lieben!

Da bin ich wieder, wie angekündigt erst nach zwei Wochen. Steffen war jetzt da und ich muss euch sagen, dass es traumhaft schön war!

Wir haben ein paar schöne Sachen unternommen und hatten eine wirklich gute Zeit, nur zu kurz war sie, seufz!!!

Am ersten Wochenende waren wir in Antalya. Wir hatten ein Zimmer in einer kleinen Pension namens Star-Pansion, welches nur 39 € für drei Nächte gekostet hat (für uns beide zusammen), allerdings auch keinen Euro mehr wert war… Es gab nur kaltes Wasser und der Duschkopf fiel gleich beim ersten Benutzen ab. Die Decke war bevölkert (vermutlich irgendwelche Schimmelkulturen), aber ich glaube an diesen ersten gemeinsamen Tagen wären wir überall glücklich gewesen. Naja, ok, im Chillout Hostel eher nicht *g*.

Tauchen waren wir dann zwei Mal genau vor der Küste Antalyas wo es allerdings nicht ganz so toll war. Da gibt’s halt hauptsächlich Steine und nicht so sehr viele Fische und die, die es gibt, sind nicht so arg groß und auch nicht sehr bunt. Unseren dritten Tauchgang haben wir allerdings an einem Schiffswrack gemacht. Das Schiff ist vor 60 Jahren gesunken und das war schon sehr interessant, aber für mich ab und an auch fast ein bisschen unheimlich. Man konnte viele Gewehre und Munition sehen und im Laderaum standen noch Jeeps.

Abends haben wir es uns dann beim Essen gut gehen lassen. In einer alten Karawanserei gab es ein schönes gemütliches Hotel/Restaurant wo wir uns genüsslich am Buffet bedient haben. In diesem Innenhof war eine total schöne Stimmung, das einzige was mich gestört hat war, dass man auf jeden Tisch eine kleine Länderflagge mit der Nationalität der jeweiligen Gäste geklatscht hat… Nicht so mein Ding, aber naja. Bei einem guten Fläschchen Wein war das schnell vergessen und bei meiner charmanten Tischbegleitung. J

An einem der anderen Abende waren wir mit einer Freundin von mir, die in Antalya studiert, beim Billard spielen. Es war echt lustig: sie hat es zum ersten Mal gemacht und ich kann es ja auch nicht gerade gut, so dass die Partien einfach ewig gedauert haben. Und wir waren die einzigen Mädels in der Kneipe. Da waren ansonsten nur türkische Männer jeden Alters, die tatsächlich Samstag Abend nichts besseres zu tun hatten als Backgammon oder Rummikub zu spielen! Könnt ihr euch das vorstellen? Ich fand das krass. Das hat mich an ältere Damen und ihr Bridge Runden erinnert… (die ja für ältere Damen auch sicher sehr nett sind, aber für 18jährige türkische Jungs???)

Das Wetter in Antalya war übrigens leider nicht so gut. Beim Koffer packen habe ich mich total verschätzt und eine Menge kurzer Sachen aber nur eine einzige lange Hose eingepackt. Und gefroren hats mich eh ständig… Montag ist es allerdings dann noch mal richtig schön geworden, so dass wir einen Strandspaziergang gemacht haben, der mir endlos schien. An dem Strand war aber auch gar nichts mehr los, alles war schon geschlossen und es waren nur noch so blöde Angler da, die ihre Angelruten ständig da hatten wo ich meine Beine hatte. Grrr.

In Istanbul wieder angekommen musste ich erst mal einen Tag von früh bis abends in die Uni. Das hieß für Steffen, dass er den Tag frei hatte und sich selbst beschäftigen musste. Meine Befürchtungen, dass es vielleicht kompliziert werden könnte mit der Verständigung zwischen Yusuf und Steffen haben sich gar nicht erfüllt. Im Gegenteil, nachdem Steffen Yusuf eine Flasche Jägermeister mitgebracht hatte, waren sie sofort gute Freunde und haben mit Händen, Füßen und Englisch kommuniziert. Steffen hat Yusuf sogar ein paar Brocken Deutsch beigebracht und mittags waren sie gemeinsam Döner essen… Als ich das gehört habe, war ich gleich erleichtert und konnte mich entspannt (wenn auch nicht gerade begeistert) der Uni widmen.

Am nächsten Tag haben wir uns dann auf eine eineinhalbstündige Reise durch Istanbul begeben um zur Ikea zu gelangen! Mit dem Bus nach Eminönü, dann mit dem Schiff nach Kadiköy und dann noch mit einem anderen Bus zur Ikea. Mensch war das ne Tour. Ich meine, es war ja nicht so, dass ich wirklich die Linien oder so gewusst habe, wir mussten uns halt durchfragen. Das heißt bei meinen Türkischkenntnissen: ich stelle eine Frage, verstehe von der Antwort nur ungefähr zwei Worte und folge dann den Gesten meines Gegenübers ;-)

In der Ikea habe ich dann glatt vergessen, dass wir ja mit dem Bus da sind und habe daher einen mittleren Großeinkauf getätigt (inklusive meines ersten Billy-Regals: 220 x 80, 35 kg schwer). Mit Steffen gemeinsam habe ich das ganze auch mit Bus und Taxi wieder heimbekommen. Glücklicherweise haben wir nämlich bei der Ankunft einen Bus gesehen, der auf direktem Weg zu mir in die Nähe gefahren ist und von der Haltestelle nahmen wir ein Taxi.

Den Rest des Abends haben wir dann damit verbracht mein Zimmer schön und gemütlich zu machen und seitdem fühle ich mich hier erst richtig wohl und ein bisschen schon zu Hause…

Ansonsten haben wir eigentlich immer recht lange geschlafen und sind spät ins Bett. Meistens sind wir auch erst gegen Nachmittag aus dem Haus gekommen.

Am Anfang der letzten Woche hatte ich drei Tage Ferien in der Uni. Da war hier Sekerli Bayram, was ein sehr wichtiges Fest ist, mit dem die Fastenzeit endet. Da war überall die Hölle los und alle Leute haben gefeiert weil sie jetzt wieder Essen und Trinken dürfen wann sie wollen...

An einem Tag sind wir mit dem Schiff zu den Prinzeninseln gefahren, die sich im Marmarameer befinden. Dort haben wir uns Fahrräder gemietet und sind auf der Insel rumgefahren. Als ich sagte, dass wir doch zu dem Kloster hochfahren sollten, dachte ich nicht, dass das so weit oben ist *g*. So habe ich mit Sarah (die war auch dabei) den ganzen Berg hochgeschoben, ich weiß nicht wie lange aber sehr lange und sehr steil!!!! Steffen ist hochgefahren, ich dachte, ich sehe nicht richtig!

Aber als wir dann endlich oben waren hatte es sich schon gelohnt. Es war ein toller Ausblick und wir hatten da oben ein sehr nettes Mittagessen bei Sonnenschein.

An einem der anderen Tage sind Steffen und ich ins Cevahir gegangen, das ist Europas größtes Einkaufszentrum. Da war sogar Steffen beeindruckt. Es ist ganz bei mir in der Nähe und hat glaube ich 6 oder 7 Stockwerke und ein rießiges Kinozentrum. Außerdem gibt es eine Achterbahn und was weiß ich nicht noch alles… Wir haben zwar nicht viel gekauft, weil da innen fast nur Nobelmarken sind, aber es war trotzdem schön ein bisschen rumzuschauen. Sogar Tschibo gibt es dort.

Viel zu schnell war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich Steffen wieder zum Flughafen bringen musste. Da war ich schon traurig. Danach musste ich dann aber gleich in die Uni und am Abend ist Sarah gekommen und hat noch zwei Tage bei mir verbracht. Sie war ein paar Tage zuvor schon nach Istanbul gekommen und hatte zuerst eine andere Freundin besucht und dann noch den Rest ihrer Zeit bei mir verbracht.

Yusuf war jetzt übrigens 10 Tage in Japan. Er war Guide für eine türkische Touristengruppe dort und er müsste heute oder morgen zurückkommen.

Letzten Mittwoch habe ich erfahren, dass ich am Montag (ja, übermorgen!!!) die erste Klausur schreibe. Daher musste ich heute aber echt was tun und morgen auch noch mal… Da wird’s mir erst mal nicht langweilig werden!

So, ich versuche jetzt mal noch einigen von euch auf eure Mails zu antworten und melde mich bald auch im Blog wieder. Unter http://www.ringo.com/explore/member.html?memberId=131725297

stelle ich dann auch mal wieder ein paar neue Bilderchen rein!

Liebe Grüße

Birgit

28.10.06 17:38, kommentieren