Reise in den wilden Osten...

Letzte Woche habe ich meinen vorerst letzten größeren Ausflug hier gestartet. Eine Woche lang bin ich mit Julia und Rebecca den Osten der Türkei erkundet.

Los ging es am Freitagmorgen um sieben. Wir sind mit dem Flieger nach Malatya geflogen. Der Flug hat circa zwei Stunden gedauert und wir waren ein bisschen müde, weil wir schon um fünf Uhr aufstehen mussten um rechtzeitig zum Flughafen zu gelangen. Malatya wollten wir als Ausgangspunkt für unseren Ausflug zum Mount Nemrut nutzen. Man kommt dort nicht wirklich gut alleine hin, sondern muss sich um ein geeignetes Transportmittel kümmern. Deshalb sind wir nachdem wir im Zentrum angekommen waren erst einmal die Touristeninformation suchen gegangen. Wir sind als brave Touristen auch immer schön der Karte gefolgt und waren sehr verdutzt als wir plötzlich vor einem normalen Cafe standen, an dessen Vorderseite ein Schild mit der Aufschrift „Tourist Information“ hing. Nach kurzer Nachfrage sagte der Kellner wir wären richtig und wir sollten uns ruhig reinsetzen und er würde die Information benachrichtigen. Gesagt getan, wir haben uns gesetzt und gewartet. Und gewartet. Und gewartet… Letztendlich kam nach ca. einer oder eineinhalb Stunden tatsächlich ein Mann, bei dem wir uns im ersten Moment gewünscht haben, er hätte bitte doch nichts mit der Information zu tun J (schaut euch die Bilder an und ihr wisst was ich meine). Er stellte sich dann aber doch als sehr nett und der englischen Sprache gut mächtig heraus. Er hat dann auch für uns für den nächsten Morgen einen Kleinbus samt Fahrer organisiert und ein Hotel für die Nacht. Der Tag in Malatya selbst war nichts Besonderes, es gibt nicht allzu viel zu sehen. Am Abend waren wir aber im Kino und es war so ein entspannter erster Tag.

Am nächsten Morgen um acht Uhr ging es dann los. Unser Fahrer war pünktlich und wir hatten einen Kleinbus für uns alleine – naja, zunächst. Nachdem in diese angelegene Gegend nicht oft etwas fährt hat er dann mal noch ein altes Weibchen samt Milchkanne und noch einen bis zwei wechselnde Kumpels eingeladen. Diverses Baustellenmaterial und Gemüseeinkäufe (plus ca. 30 geschätzte Brote Leib) konnten auch noch problemlos untergebracht werden. Eigentlich haben wir nur noch auf ein paar Hühner und ein Schaaf gewartet *g*. Nach knapp drei Stunden waren wir dann halbwegs angekommen, das heißt an einer Stelle, an der das Auto nicht weiterkam weil noch Schnee lag. Wir mussten ein Stück zu Fuß gehen, wurden dann in einem anderen Auto, welches den Winter anscheinend bei dem geschlossenen Hotel auf der anderen Seite verbracht hatte, noch ein paar Kilometer gekarrt und letztendlich haben wir noch einen Fußmarsch (immer schön in Serpentinen bergauf) von ungefähr 30 – 45 Minuten absolviert. Jetzt rauche ich noch nicht mal und war trotzdem fertig wie sonst was als ich oben war. Ich habe echt kaum noch Luft bekommen, ich denke aber das lag an der Höhe von gut 3000 Metern in der ich mich auf einmal befand. Und ein straffes Tempo hat unser Guide auch vorgelegt. Aber es hat sich mehr als gelohnt. Auf dem Gipfel dieses Berges findet man 2 Meter hohe Götterstatuen, die vor langer Zeit ein König dort aufstellen lassen hat. Und die Aussicht ist einfach der absolute Wahnsinn! Oben lag auch noch Schnee und es ging ein eisiger Wind, aber es war ein tolles Erlebnis. Und wir waren auch ganz alleine dort, die einzige andere Gruppe ist gleich nach dem wir kamen gegangen.

Nach einer Stunde sind wir dann zurück zum Auto und wurden gleich zum Busbahnhof in Malatya gebracht. Von dort aus hieß unser nächstes Ziel Urfa via Adiyaman und zwar mit dem Dolmuş. Nach vier Stunden waren wir am Ziel und haben in einem netten kleinen Hotel eingecheckt. Am nächsten Morgen sind wir gleich losgezogen und haben die Stadt ein bisschen erkundet. Das Schönste war eine alte Gartenanlage mit schönen Torbögen und einem Karpfenteich mit heiligen Karpfen. Auch auf die Festung hochzusteigen haben wir uns nicht nehmen lassen und überhaupt sind wir glaube ich jeden Tag irgendwo hochgestiegen, weshalb wir eigentlich riesige Muskeln in den Oberschenkeln haben sollten ;-). Danach haben wir uns noch kurz mit Katharina und ihrem Freund getroffen die lustigerweise auch genau an diesem Tag in Urfa waren. Die Welt ist klein…

Am Mittag hieß es für uns allerdings schon „Tschüss Urfa“, um zwölf Uhr ging unser Bus nach Mardin. Leider hat es schon kurz nach Beginn der Fahrt angefangen zu regnen. Aus dem Regen wurde dann noch ein fetter Hagelschauer, so dass wir zwischendrin Pause machen mussten. Mardin ist ein schönes Städtchen, dessen Häuser in einen Berg hineingebaut sind. Leider war das Wetter auch dort nicht sehr gut, so dass wir schon bald weiter sind. Mit dem nächsten Dolmuş ging es noch am gleichen Abend nach Diyarbakir von wo aus wir einen Bus nach Van nehmen wollten.

Wir wollten eigentlich über Nacht fahren, so dass wir erst am nächsten Morgen dort waren, aber sobald wir da waren haben uns schon Männer zugerufen, dass jetzt sofort der letzte Bus fahren würde. Da wir unbedingt weiter wollten hat Julia „hier, 3 Personen“ geschrieen und ehe wir uns umsehen konnten saßen wir schon im mit Männern gefüllten Bus nach Van. Wir mussten erst einmal herzlich lachen weil alles so dermaßen überstürzt war. Dafür haben wir dann aber auch den einen oder anderen bestürzten, überraschten oder auch ungläubigen Blick von unseren „Mitinsassen“ geerntet. Ich glaube die hätten uns gerne eingeliefert oder mal ein Paar Manieren verpasst. Um halb drei Uhr nachts hat uns dann der Busfahrer in der Innenstadt von Van aus dem Bus geschmissen weil wir nicht gecheckt haben dass wir jetzt an der Endstation sind. J

Von einem Türken sind wir dann zu einem Hotel eskortiert worden und dann dort auch abgestiegen weil keiner mehr den Nerv hatte noch nach etwas anderem zu schauen. Eigentlich war es auch ganz in Ordnung, nur das Bad war leider nicht so toll weil es aus allen möglichen Öffnungen getropft hat. Am nächsten Morgen sind wir mit einem Guide in Kontakt gekommen, mit dem wir dann ausgemacht haben, dass er uns gemeinsam mit einer Engländerin ein bisschen die Gegend zeigt. Zudem hat er es geschafft, dass wir einen Rabatt und ein anderes Zimmer in diesem Hotel bekamen, so dass wir dort noch eine Nacht geblieben sind.

Mit dem Führer waren wir an einem Selcukischen Grab und danach auf der Insel Akdamar, die sich im Vansee befindet. Man fährt eine halbe Stunde mit dem Schiff hin. Auf der Insel gibt es eine alte armenische Kirche. Es war schönes Wetter und wir hatten eine atemberaubende Aussicht von dort! Der ganze See ist quasi umringt von schneebedeckten Bergen und auf der Insel standen die Obstbäume in voller Blüte. Da lass ich aber ansonsten mal die Bilder für sich sprechen…

Im Anschluss haben wir uns noch das (wo auch sonst?) auf einem Berg gelegene Schloss von Van angesehen. Nach einem Fläschchen Wein haben wir dann auch prima geschlafen – alle außer Rebecca, die wurde nämlich um zwei Uhr noch einmal geweckt weil unser Freund Mert (aus der Uni) und dessen Kumpel Ahmet in unser Hotel eingecheckt hatten, da sie uns am nächsten Tag mit dem Auto weiterbegleiten wollten. Stinkfaules Birgitchen ist natürlich im Bett liegen geblieben und hat sich nicht anmerken lassen dass sie wach istJ.

Am Morgen sind wir Frühstücken gegangen und als wir wieder aufs Zimmer sind um uns gar fertig zu machen habe ich gleich festgestellt, dass mir mal wieder Geld geklaut worden war. Dieses Mal waren es 80 YTL, bei Rebecca haben 50 gefehlt und das obwohl wir den Schlüssel abgegeben hatten an der Rezeption… Naja, zum Teil selbst schuld, aber auf der anderen Seite auch nicht oder? Wir und unsere türkischen Freunde haben dann auch mit dem Chef und Rezeptionisten geredet, aber da war natürlich nichts zu machen. Da war jedoch das einzige unangenehme Erlebnis auf unserer Reise und nachdem letztes Mal ja alle meine Sachen weg waren kann ich eigentlich noch von Glück reden.

Den Tag haben wir uns dann davon auch nicht versauen lassen. Mit dem Auto sind wir nach Dogubayazit gefahren. Es ging dann schon sehr nahe an der iranischen Grenze vorbei und wir wurden mehrere Male von Militärposten kontrolliert. Die waren mehr als erstaunt was wir da machen, hatten einen Heidenspaß mit uns weil ja natürlich nicht jede Stunde ein Auto mit drei europäischen Weibern vorbei kommt auf ihrem langweiligen Posten… Die erste Kontrolle war eigentlich die witzigste. Unsere Freunde wurden gefragt woher sie uns denn um Himmels Willen kennen würden und ob wir sie im Internet kennen gelernt hätten. Dann haben sie unsere Pässe ihrem Chef in der Baracke gezeigt, der es sich natürlich nicht nehmen lassen hat selbst auch gleich noch mal zum Gucken zu kommen… Die waren alle so baff, echt witzig!

Weshalb wir überhaupt da hin wollten war der Ishak-Pasa Palast, welcher auf einem Berg steht und echt sehr schön aussieht. Zudem wollten wir einen Blick auf den Mount Ararat werfen (das ist der mit der Arche). Der Palast war echt toll, die Gegend sehr interessant. Aber auch hier verweise ich mal frech auf die Bilder…

Gegen zwölf Uhr sind wir dann in Erzurum eingetroffen, wo wir bei Ahmet übernachten durften. Eigentlich hatten wir damit gerechnet bei Merts Familie zu übernachten und von seiner Mutter bekocht zu werden, aber das ging nicht weil dort gerade kein Platz für uns war. Und Ahmet hat uns dann in die Zweitwohnung seiner Familie einquartiert, die gerade leer stand. Interessanterweise durfte bloß keiner wissen, dass wir da sind. Wir mussten uns ins Haus schleichen und durften nicht zu leise sein!!! Wie James Bond… Anscheinend hat er es seinen Eltern  nicht erzählt und hätte vielleicht Probleme bekommen.

Den Mittwoch haben wir mit unseren Freunden in Erzurum verbracht. Wir haben ein paar ältere Gebäude dort angeschaut und waren in einem tollen alten zum Cafe umgebautem Haus. Das war sooo gemütlich und urig, mit versteckten Sitzecken, total verwinkelten Gängen und überall große Kissen auf dem Boden zum Sitzen. Im Anschluss waren wir noch sehr gut türkisch essen und Ahmet und sein Freund Eray, den wir an diesem Tag kennen gelernt hatten, haben uns dann mit dem Auto mit nach Trabzon an die Schwarzmeerküste genommen, da sie dort angeblich Freunde besuchen wollten. Eigentlich und ehrlich haben die uns da in Van schon deshalb abgeholt weil sie sich so Sorgen um uns gemacht haben und ich denke dass sie uns auch deshalb nach Trabzon gefahren haben. Die Idee dort hinzufahren kam ihnen nämlich ein bisschen sehr kurzfristig und dann haben sie sich dort auch noch in einem Hotel eingenistet über Nacht wo sie doch dort Freunde haben (und die türkische Gastfreundlichkeit ja beinahe legendär ist). Schlecht war es aber echt nicht dass sie uns in Trabzon zum Hotel gebracht haben. Die ganze Stadt ist am Abend voller russischer Nutten und den entsprechenden russischen und türkischen Freiern dazu. Von anderen Frauen keine Spur. Tagsüber ist es aber ein sehr hübsches Städtchen und auch sicher. Man kann ans schwarze Meer laufen, es gibt allerdings soweit wir das sehen konnten keinen Sandstrand sondern sehr sehr flache Klippen. Leider mal wieder Müll und Dreck soweit das Auge sehen konnte, sehr schade. Außerdem werden Abwässer in regelmäßigen Abständen eingeleitet und es stinkt da sehr. Wir sind ein bisschen durch den Basar gebummelt, haben uns ein kleines Museum angesehen und haben zu Abend gegessen. Gescheiterweise haben wir auch Kirschen und Erdbeeren und Schokokuchen gekauft, uns die Bäuche vollgeschlagen. Pünktlich als wir am Flughafen angekommen sind, machten Rebeccas und meine Verdauung Überstunden wenn ihr versteht was ich meine ;-). Julia hat Kopfschmerzen bekommen, eventuell auch von dem Obst (gespritzt vielleicht oder so?) aber nicht notwendigerweise. Wir haben es aber trotzdem alle geschafft, den Flug nach Istanbul gut zu überstehen. Donnerstagnacht um ein Uhr waren wir dann alle zu Hause und konnten uns am Freitag erst einmal ausschlafen.

Die Reise war sehr schön und interessant. Der Osten der Türkei ist wirklich eine andere Welt. Die Menschen sind noch viel traditioneller und teils auch konservativer. Trotzdem waren im Großen und Ganzen alle sehr nett zu uns. Außerhalb der Städte leben die Menschen noch immer so wie ihre Großeltern, außer dass es eigentlich überall Strom gibt. In vielen Gegenden sind sie noch sehr angeschlossen vom Rest der Welt. Es gibt fast ausgestorbene Landstriche und viele viele Schafe und Ziegen. Auch den Militäreinfluss bekommt man im Osten stark zu spüren, wenn man zum Beispiel an einem Carport mit geschätzten 40 Panzern vorbeifährt. In der Uni in Van gibt es getrennte Cafes für Türken und Kurden. Mehr möchte ich dazu jetzt hier nicht schreiben, aber es gibt definitiv noch größere Konflikte und Probleme, die hoffentlich in den nächsten Jahren (Jahrzehnten?) gelöst werden können…

In fünf Wochen komme ich nach Hause! Ich freue mich schon euch wieder zu sehen, bin aber auch ein bisschen traurig zu gehen, da es mit hier sehr gut gefällt…

Bis bald!

6.5.07 12:31, kommentieren

Go West where the skies are blue

So ihr Lieben,

eigentlich sollte ich grad lernen aber ich hab es auf morgen verschoben weil ich in einer guten Stunde eh noch ein bisschen weg gehe… Da nutze ich die Zeit jetzt lieber um euch mal was von meinem letzten Ausflug zu erzählen.

Letzten Donnerstag bin ich mit Katha und einem Freund von ihr namens Alex aufgebrochen. Das Ziel hieß erst mal Izmir. Wir sind mit der Fähre morgens um sieben über das Marmara Meer gefahren und gleich danach in den Zug nach Izmir gestiegen. Das letzte kleine Stück wurden wir dann überraschenderweise noch mit einem Bus gefahren, da anscheinend an den Gleisen gearbeitet wird…

Dort angekommen haben wir uns gleich zur Agora, dem altertümlichen Marktplatz durchgeschlagen. Alex hat uns nach dem Sonnenstand geführt, Katha nach der Karte im Reiseführer und ich fands prima und bin einfach hinterher gelaufen. *g*

Leider war es nicht sehr beeindruckend dort… Bei einer kleinen Rast hat sich Alex dann gleich mal mit vier kleinen türkischen Mädchen angefreundet, die ganz fasziniert waren bei gleich drei blonden Personen. Gegenseitig haben sie sich dann Sprachtraining erteilt, Alex war „nur“ zu Besuch aus Deutschland, konnte also kein Türkisch und fands glaube ich ganz nett. Wir fanden es auch gut dass er dabei war, da wir uns so richtig zurücklehnen und ausruhen konnten J.

Im Anschluss haben wir uns ein nettes kleines Hotel gesucht und uns erst einmal eine halbe Stunde ausgeruht. Wir hatten echt Glück – das Hotel war sauber und günstig. Am frühen Abend sind wir dann ans Meer gegangen. In Izmir gibt es nämlich eine Promenade, man kann ewig am Meer entlang laufen und es ist dort super schön! Wir haben einen langen gemütlichen Spaziergang gemacht und viele Eindrücke von der Stadt bekommen. Nach einem kleinen Snack haben wir uns dann irgendwann auf den Rückweg gemacht und in einer gemütlichen Kneipe noch ein Bierchen gezischt.

Am nächsten Morgen sind wir dann mit einem Dolmus nach Selcuk gefahren worden, ich glaube das hat ca. eineinhalb Stunden gedauert. Von Selcuk aus ist es dann gar nicht weit nach Efesus. Efesus ist eine antike Stadt, die noch recht gut erhalten ist. Ich war am Anfang etwas enttäuscht weil man auf den ersten paar hundert Metern gar nicht viel gesehen hat außer ein paar Säulen und Meilensteinen aber als wir dann durch ein Tor in die wirklichen Überreste der Stadt kamen war ich mehr als zufrieden. Ich lade euch ein paar Fotos hoch, die sagen mehr als Worte. Das Wetter war auch ganz toll, schön warm und sonnig.

Zurück in Selcuk haben wir uns noch die Überreste einer alten Basilika angesehen, was auch sehr nett war, vor allem weil man eine gute Aussicht hatte und schöne Blumen dort gewachsen sind.

Am frühen Abend ging die Fahrt weiter mit dem Bus nach Pamukkale. Das hat der eine oder andere von euch sicher schon gehört. Es gibt dort rießige auf natürliche Art entstandene Kalkterrassen, auf den Fotos sieht man es gut. Freitag abend haben wir aber nur noch in einem sehr schönen Hotel eingecheckt (25 € für drei Personen inklusive Frühstück!!! Krass) und dort ein ganz leckeres Abendessen bekommen.

Samstag morgen ging es dann los. Man läuft barfuß einen Weg in der Mitte der Terrassen den Berg hinauf und oben erwartet einen dann schon die antike Stadt von Hierapolis, wo man unter anderem auch in einem alten natürlichen Becken baden kann (was Katha und Alex gemacht haben während ich mir das Museum angeschaut habe welches auch dort oben ist). Die Becken waren echt toll anzusehen, unten war das Wasser kalt und nach oben hin ist es immer wärmer geworden, da es aus einer Thermalquelle kommt. Die Becken werden nach einem speziellen Bewässerungssystem geflutet, damit sie erhalten bleiben. Bis zum Sonnenuntergang sind wir dort geblieben und es war einfach wahnsinnig schön! Danach waren wir müde und hungrig. Die überteuerten Preise in Hierapolis haben uns nämlich davon abgehalten uns so richtig satt zu essen. Wenn ich das türkische Wort für Wucher wüsste hätte ichs benutzt… Aber das ist eben normal an so touristischen Plätzen. Dafür haben wir dann  im Hotel noch einmal sehr gut gegessen zu einem anständigen Preis.

Diese Nacht haben wir allerdings nicht dort sondern schon in einem Bus Richtung Bursa verbracht. Nach einer neunstündigen Fahrt waren wir dort, haben uns aber gleich zu einem Dolmus in Richtung Iznik begeben. Iznik ist Nizäa, das kennen vielleicht ein paar von euch aus religiösen Gründen. Soweit ich weiß wurde dort das Glaubensbekenntnis in einem Konzil beschlossen. Iznik ist ein süßes kleines Städtchen und liegt an einem See. An diesem sind wir entlanggelaufen, ebenso wie an der Stadtmauer, die noch sehr gut erhalten ist. Umrundet ist Iznik von vielen Olivenwäldern, es ist eine wunderschöne grüne Gegend. Überhaupt war das landschaftlich gesehen bisher wirklich mein schönster Ausflug! Alles war grün und blühend und ich weiß nicht was noch! Meine Augen haben eine Party gemacht…

Am Nachmittag sind wir dann mit einem Dolmus nach Yalova gefahren  und von dort aus mit dem Schiff übers Marmara Meer zurück nach Istanbul.

Es war echt ein toller Ausflug und hat sich sehr gelohnt! Alles hat gut geklappt vom Anfang bis zum Ende.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues bei mir. Ich bin fleißig am Lernen, da ich am Montag eine wichtige Zwischenprüfung habe. Danach gibt es auch wieder einen ganzen Schwung persönlicher Mails an euch alle!

Drückt mir die Daumen, bis dann!

Birgit

1 Kommentar 13.4.07 18:05, kommentieren

Zurück in die Steinzeit

Letztes Wochenende bin ich gemeinsam mit meiner neuen Mitbewohnerin und alten Freundin Rebecca nach Kappadokien gefahren. Jetzt werden sich wohl viele fragen was und wo das ist. Es ist eine Gegend die ziemlich genau in der Mitte von der Türkei liegt. Das Besondere daran ist, dass man dort eine atemberaubende Landschaft sehen kann. Man findet dort vor allem Tuffgestein, welches vulkanischen Ursprungs ist und sich gut bearbeiten und verformen lässt – sowohl von Menschenhand, weswegen es dort ca. 50 unterirdische Städte gibt, als auch vom Regen und vom Wind, weshalb auch oberirdisch die tollsten Formen entstehen. Aber das seht ihr euch am Besten auf den Bildern an, die ich auf Ringo.com geladen habe, wie immer…

Donnerstag abend ging es also los. Über Nacht brachten wir beide eine elfstündige Busfahrt ohne Zwischenfälle hinter uns. Langsam gewöhne ich mich ein bisschen dran und schaffe es relativ viel zu schlafen…

Angekommen sind wir in Nevşehir, der mit 60.000 Einwohnern größten Stadt in Kappadokien. Von dort aus sind wir mit einem kleinen Bus nach Göreme gebracht worden, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Göreme ist ein richtig kleines Städtchen, in dem viele Häuser in den und um den Tuffstein herum gebaut worden sind. Das sieht echt stark aus und weckt so ein bisschen Urzeitstimmung. Wenn dann noch die größte Kneipe den Namen Flintstones trägt natürlich erst recht…

Wir haben dann auch nach kurzer Zeit eine Pension gefunden und haben tatsächlich ein Zimmer bekommen, das in so einen Stein gehauen war, wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Man muss dort allerdings aufpassen, dass man nur eine Pension mit warmem Wasser und Heizung nimmt, da das da nicht selbstverständlich ist (die meisten Touris kommen im Sommer) und es ganz schön kalt werden kann in diesen „Höhlen“.

Nach einer kurzen Verschnaufpause sind wir zu Fuss in das nahe gelegene Freilichtmuseum aufgebrochen. Dank türkischem Studentenausweis sind wir mal wieder gratis reingekommen und konnten uns 5 € sparen. Es war aber auch sehr sehenswert. Es ist ein sehr großes Gelände und was man dort sieht sind hauptsächlich in den Stein gehauene Behausungen und Kirchen. An der Umgebung kann man sich kaum satt sehen und wenn man durch ein einfaches Loch im Stein geht und sich in einer toll bemalten Höhlenkirche wieder findet ist das schon überraschend…

Am Nachmittag sind wir dann für zwei Stunden mit einem türkischem Guide durch einige der nahe gelegenen Täler geritten. Er hat uns auch eine weitere große Stadt (auch in den Stein gehauen) gezeigt, in der noch bis vor einigen Jahren Menschen gelebt haben, bis die Regierung sie umgesiedelt hat um die Stadt besser erhalten zu können… Der Ausritt war sehr schön, hat aber leider jeden von uns 60 Lira gekostet. Das ist eigentlich ein akzeptabler Preis aber leider hatten wir beide nicht viel Geld mitgenommen weil wir nicht an so etwas gedacht hatten. Und ich hatte meine Kreditkarte dabei aber nicht damit gerechnet dass man nicht damit zahlen kann, da sich der Reiterhof mehr oder weniger als Koppel mit nem kleinen Stall aus Stein (woraus auch sonst ;-)) herausgestellt hat. So hatte jede von uns hinterher noch ca. 50 Lira übrig. Glücklicherweise hatten wir aber schon die Unterkunft und die Rückfahrt gezahlt. Natürlich gab es Bankautomaten aber wenn man die Geheimzahl der Kreditkarte nicht weiß… *g* Nach dem zweiten Versuch habe ich es aufgegeben weil ich Angst hatte, es könnte mir die Karte einziehen.

Aber wir haben dann am Abend ein Restaurant gefunden wo wir mit meiner Kreditkarte zahlen konnten (Bankkarte hatte keiner von uns Klugis dabei) und haben da mehr als gut und reichlich gegessen.

Am Samstag sind wir dann am Morgen nach Kaymakli gefahren. Dort liegt die größte unterirdische Stadt der Umgebung, welche man auch besichtigen kann. Diese Städte wurden schon vor mehreren 1000 Jahren gebaut als Schutz gegen Feinde. Sie bestehen aus unendlichen Gängen und vielen Räumen. Die in Kaymakli hat acht Stockwerke und ist bis zu 50 Meter tief! Wir hatten einen türkischen Führer, der uns sehr viel erklärt und gezeigt hat. Es war echt sehr interessant und beeindruckend, zu sehen was diese Menschen damals mit ihren eigenen Händen geschaffen haben. Es war auch sehr durchdacht und gar nicht primitiv. Die Hititer (so hieß dieses Volk) hatten eine richtig fortschrittliche Kultur und das schon vor 4000 Jahren! Da sieht man erst mal wieder wie hintennach wir Deutschen waren, man denke nur ans Mittelalter…

Den Nachmittag über haben wir uns dann noch zwei andere kleine Städtchen in der Gegend angesehen: Ürgüp und Avanos. Viel Besonderes, von der Landschaft abgesehen, gab es dort allerdings dann auch nicht mehr. Deshalb waren wir nicht traurig, als wir Samstagabend nach einem wahnsinnig ausgiebigen und leckeren Abendessen wieder auf den Heimweg nach Istanbul gemacht haben. Nach einer erneuten elfstündigen Fahrt und einigen kleineren Scherereien mit unserer Busfirma sind wir auch Sonntag Vormittag heil wieder in Istanbul angekommen.

Ein kleines Nachspiel gab es noch: Am Dienstag ist in Ürgüp ein Felsrutsch passiert und dadurch sind mehrere Menschen getötet worden. Wir haben in der Zeitung ein Bild gesehen und sind erschrocken als uns klar wurde dass wir genau an diesem Platz noch vor drei Tagen selbst standen… Krass, wenn man dann so was liest. Die armen Leute!

So, das wars jetzt grad mal wieder. Von Kappadokien kriegt man eh durch die Bilder einen besseren Eindruck als durch Beschreibungen…

Jetzt kommen erst mal zwei Freundinnen von Freitag bis Mittwoch, also gibt es wahrscheinlich erst in ein zwei Wochen wieder was Neues…

Bis denn,
Birgit

 

8.3.07 22:41, kommentieren

Der Anfang vom Ende

So, jetzt bin ich nach meinem Heimaturlaub wieder zurück an der Front, naja gut in Istanbul halt. Ich habe es in der Zeit sogar geschafft ziemlich viele von euch zu treffen. Ich hoffe von den anderen ist mir keiner böse, aber gegen Ende ist die Zeit einfach echt knapp geworden.

Meine erste Woche zurück ist interessanterweise komplett anders verlaufen als ich gedacht hatte. Ich hatte angenommen dass meine Freunde alle im Laufe der Woche wieder eintreffen würden und habe erst einmal ziemlich blöd geschaut als ich herausgefunden habe, dass die erste Rebecca sein würde, die auch erst am Donnerstagabend ankam. Im ersten Moment war ich ganz schön down deshalb aber dann habe ich mir einen kräftigen Tritt gegeben und habe selber was unternommen und dabei festgestellt, dass man auch alleine Spaß haben kann auch wenn es zu mehreren schöner ist.

Am Montag habe ich erstmal meine Kurse für die Uni wählen müssen. Ich habe mich für einen Türkischkurs, einen Spanischkurs, Personalmanagement und Makro entschieden. Bei VWL war die Auswahl dieses Mal echt bescheiden. Ich weiß auch noch nicht ob ich bei den Fächern bleibe, da kann sich schon noch was ändern. Ich habe zum Beispiel keine Ahnung von dem Niveau des Spanischkurses und ob er zu meinem Vorwissen passt. Also lasse ich mich mal überraschen. Wechseln kann man ja immer noch mal.

Am Dienstag habe ich dann einen dreistündigen ausgiebigen Spaziergang unternommen da das Wetter recht schön war. Am Abend habe ich dann ein bisschen gelesen und entspannt, nichts Besonderes.

Sehr schön war der Mittwoch, an dem ich das Rahmi Koc Museum besucht habe. Dort gibt es unter anderem viele Oldtimer, Kutschen, eine Technikabteilung in der man sehen kann wie die verschiedensten Dinge funktionieren (vom PC über das Mofa bis zur Waschmaschine). Auf dem Außengelände befanden sich auch Boote und Bootsmaschinen. Es hat mir wirklich gut gefallen und war sehr gut gemacht alles. Das Beste war aber dass die ein U-Boot im Goldenen Horn liegen hatten. Da hab ich ein Ticket für eine Besichtigung gekauft und da ich in dem Moment die einzige dort war habe ich eine private Führung von einem Offizier bekommen. Er hat mich durch das ganze Ding geführt und mir alles auf Englisch erklärt. War wirklich cool und ich durfte auch durchs Periskop schauen und an Knöpfen rumdrücken und so… Echt super! Das war echt wahnsinnig groß das U-Boot, ich war sehr beeindruckt.

Anschließend war es noch nicht so spät also bin noch mit dem Bus nach Sütlüce und von da aus mit der Fähre in den alten und eher konservativen Stadtteil Eyüp, der aber sehr schön ist. Es gibt dort einen der größten Friedhöfe, der sich über einen Hang erstreckt und – wie sollte es auch anders sein – eine wichtige Moschee. Oben auf dem Hang gibt es eine Aussichtsterrasse und ein Cafe. Man ist dort ganz am Ende des Goldenen Horns und hat eine schöne Aussicht. Ich bin mit einer Gondel (wie beim Skifahren) nach oben gefahren und habe mir einen schönen Tee gegönnt. Anschließend bin ich dann mit dem Schiff und dem Bus nach Hause gefahren und schon war der nächste Tag herum.

Da das Wetter am Donnerstag nicht so gut war bin ich ein bisschen im Cevahir Einkaufszentrum bummeln gewesen. Ich habe mir einen großen Teller Spaghetti mit Spinat gegönnt und dann bin ich auch noch ins Kino und habe mir Hannibal Rising angeschaut. Dann war ich auch erst abends wieder daheim. Die Zeit ist also ab Mittwoch nur so geflogen.

Freitag war dann auch Rebecca wieder zurück und ich war mit ihr und ihrem Freund auf der großen alten Burg Rumeli Hisari. Da sind wir dann ein bisschen rumgelaufen und ich war danach alleine noch etwas spazieren. Abends haben wir uns dann noch einmal getroffen und waren bei Freunden von ihnen.

Ein richtiges Highlight war dann noch einmal der Samstag. Da habe ich mich schon am Mittag mit einem türkischen Freund namens Ömer getroffen. Wir waren in einem sehr schönen Cafe mit tollem Ausblick. Anschließend haben wir etwas gegessen und am frühen Abend sind wir ins Kino gegangen in „Das Parfüm“. Der Film hat uns ganz gut gefallen und wir haben uns den ganzen Tag super unterhalten. War wirklich schön und ich habe viel Spaß gehabt. Um neun war ich dann aber auch kaputt und bin heimgegangen.

Sonntag habe ich ein bisschen relaxt. Die Entspannung brauchte ich dann auch nach den turbulenten Tagen zuvor…

Tja und am Montag ging dann die Uni wieder los aber da erzähle ich euch in ein zwei Wochen mal davon wenn ich weiß ob ich meine Kurse so lasse. J

Jetzt erst mal liebe Grüße an alle und bis bald!

Eure Birgit

1 Kommentar 20.2.07 20:01, kommentieren

Konya

Letztes Wochenende war ich also in Konya, das ist eine Stadt mit ca. 700000 Einwohnern und liegt ziemlich im Zentrum der Türkei. Ich bin gemeinsam mit Julia hingefahren, die aus Österreich kommt und auch an der Bogazici studiert. Da die Züge dahin zu recht blöden Zeiten fahren haben wir beschlossen die Busfahrt von ca. 10 Stunden auf uns zu nehmen. Schon im Bus hat man gemerkt, dass man nicht nach Antalya fährt. Die meisten waren ältere Leute und sahen eher traditionell aus von ihrer Kleidung her. Nachdem ich eine halbwegs bequeme Stellung gefunden hatte habe ich es auch geschafft ein bisschen zu schlafen. Wir sind nämlich Freitagabend um neun los gefahren um samstagmorgens anzukommen.

Um ungefähr sieben Uhr waren wir dann auch dort und haben uns erst einmal den Weg zur Strassenbahn gesucht. Es war ganz schön kalt. Aus Istanbul bin ich so meine zehn Grad ungefähr gewohnt und in Konya hatte es ein bisschen unter Null Grad. Aber das wussten wir ja schon vorher und hatten daher entsprechende Klamotten dabei.

Im Zentrum angekommen sind wir auf die Suche nach einem kleinen Hotel gegangen, dass mein Reiseführer (danke Mädels, danke!!!) empfohlen hat weil es sehr sauber und günstig ist. Nachdem wir es endlich gefunden hatten sind wir zur Rezeption und tatsächlich waren sie bereit uns ein Zimmer für diese Nacht zu geben. Und es war tatsächlich alles so sauber wie es im Reiseführer steht.

Als nächstes haben wir auch noch ein ganz leckeres Frühstück bekommen: ein Sandwich aus Fladenbrot, Käse, Tomate und Petersilie (warm und knusprig), Tee und einen Erdbeerjoghurt. Frisch gestärkt zogen wir los um die Stadt zu erkunden.

Das Besondere in Konya ist, dass dort einmal Mevlana gelebt hat. Er war ein geistlicher und spiritueller Gelehrter. Er hat im 13. Jahrhundert n. Chr. sehr viele Gedichte und andere Werke geschrieben und war ein sehr weiser Mann. Als seine Anhänger einen anderen Gelehrten töteten, weil sie eifersüchtig auf dessen großen Einfluss auf Mevlana waren, war Mevlana so geschockt, dass er in Meditation versank und daraufhin einige seiner größten Werke schrieb. Auch ihr vielleicht noch nicht von ihm gehört habt: er ist hier sehr wichtig und wird nach wie vor verehrt. Es heißt, dass er mit seinem Tod die Vereinigung (oft Hochzeit genannt) mit Allah erreicht habe. Seine Anhänger schlossen sich darauf hin zu so genannten Derwisch-Orden zusammen. Man kann sich eine Art Bruderschaft darunter vorstellen, ein bisschen ähnlich einem christlichen Kloster. Um zum Derwisch zu werden musste man 18 verschiedene Stufen durchlaufen. Die Derwische selbst sind am meisten für ihren wunderbaren Tanz bekannt, den sie in Trance durchführen. Dabei tragen sie weiße lange Röcke und weiße Jacken. Sie drehen sich minutenlang im Kreis und geben ein sehr beeindruckendes Bild dabei ab. Wenn ihr euch das jetzt nicht vorstellen könnt schaut mal auf meine Bilderseite, da habe ich zwei Bilder eingestellt davon.

Da dieses Wochenende das letzte Wochenende des jährlichen zweiwöchigen Mevlana-Festivals war, das mit dem Tag von Mevlanas Tod endet, hatten wir das große Glück für Sonntagmittag Eintrittskarten für eine dieser Vorstellungen zu bekommen. Es waren nämlich viele türkische Touristen da und große Busladungen von ihnen wurden auch am Sonntag noch von überall her, sogar aus Teheran, angekarrt.

Wir haben uns also am Samstag die Karten für Sonntag besorgt und haben uns sehr gefreut, dass wir welche bekamen. Anschließend haben wir das Mevlana Museum besucht. Dazu muss man sagen, dass dies kein Museum herkömmlicher Art ist. Es besteht aus einer Art Schrein, in dem Mevlana selbst und einige andere wichtige Persönlichkeiten in Türben begraben sind. Dann sind da noch die Gebäude, in denen er und die Derwische gelebt haben. In einem von ihnen kann man sich alte Gegenstände anschauen und sich über die Lebensweise der Orden informieren.

Das Ganze war sehr beeindruckend, aber leider sehr voll von hunderten alter Leute mit sehr wenig Rücksicht für andere. (Ich habe einen Krückstock also darf ich dich wegschubsen wo ich will&hellip Wir mussten übrigens dort Kopftücher tragen, eine der wenigen Gelegenheiten bisher. Wenn man nicht eine Moschee oder einen ähnlichen Ort betreten will muss man hier nirgendwo eines tragen.

Als wir in dem Schrein standen, der einer Moschee nicht unähnlich war (von der Größe und den Verzierungen her), hat es uns sehr bewegt, als wir gesehen haben, wie viele Menschen tatsächlich am Rande standen oder saßen und teils weinend im Stillen für Mevlana gebetet haben. Aus dem Lautsprecher wurde eine mysthische typische Derwisch-Musik abgespielt und die Menschen waren komplett in sich versunken. Es war eines der Erlebnisse, die ich nie vergessen werde, da bin ich mir sicher.

Das Wetter war sehr schön und so beschlossen wir, noch in ein weiteres etwas weiter entferntes Museum zu laufen. Der Reiseführer sagte, wir sollen einfach über den Friedhof drüber laufen, das sei der kürzeste Weg. Hm, also so ein türkischer Friedhof ist nicht unbedingt mit den Friedhöfen zu vergleichen, auf denen ich bisher war. Erst einmal war er riesig! Gut, ich habe mir von Julia, die aus Wien kommt, sagen lassen, dass das jetzt nichts ungewöhnliches ist, wenn man nicht gerade von so einem Kaff kommt wie ich ;-).

Und dann war es interessant, zu sehen, dass dort alles viel ungeordneter zu sein scheint. Die Grabsteine stehen wo sie halt gerade hingefallen sind, so macht es den Eindruck. Nicht so wie bei uns: alles im 90°-Winkel ausgerichtet und alles die gleiche Größe und so… Aber diese Masse an weißen Grabsteinen aus den verschiedensten Jahrhunderten war echt interessant.

Den Friedhof einfach durchqueren erwies sich als nicht so einfach, da es viele Ausgänge gab, die aber alle verschlossen waren. Schließlich trafen wir einen Mann und fragten ihn nach dem Weg zu dem Museum und er konnte es uns glücklicherweise beschreiben.

Zehn Minuten später waren wir dort. Das Museum zeigt die Sammlung eines verstorbenen Mannes, der so ziemlich alles gesammelt hat was man sich so vorstellen kann: einen Mammutknochen, ottomanische Gewänder, Teppiche, Münzen, Schallplatten und und und… Uns hat das echt gut gefallen, weil es mal was anderes war. Und es waren viele alte Bilder von Konya dabei, was wir interessant fanden.

Danach war es schon früher Nachmittag und wir hatten richtig Hunger. Also haben wir den Reiseführer befragt und eines der Restaurants angesteuert. Dort haben wir dann Pide bestellt mit Käse und Hackfleisch und es waren riesige Portionen, die einen tollen Geschmack hatten. Das war eines der besten Pide, die ich bisher gegessen hatte. Zu zweit haben wir dann stolze 4 € gezahlt für zwei Mal Pide und zwei Getränke. Krass oder? In Konya war das Essen wirklich wahnsinnig billig, da haben wir ganz schön zugelangt J.  Auf dem Weg zum Hotel haben wir uns noch jede einen Sütlac schmecken lassen, das ist ein türkischer Nachtisch und eine Art Milchreis mit Zimt.

Und dann haben wir uns echt erst einmal zwei Stunden aufs Ohr legen müssen… Das ganze Laufen an der frischen Luft und das gute Essen haben sich bemerkbar gemacht.

Am frühen Abend waren wir dann noch einmal in der Stadt unterwegs und haben ein bisschen gebummelt. Als wir langsam wieder müde wurden haben wir uns in ein anderes Restaurant gesetzt und das war eine interessante Erfahrung. Unten waren viele Männer und haben Tee getrunken und Wasserpfeife geraucht. Zum Essen war uns das nicht so recht, daher sind wir die Treppe hoch wo uns ein Kellner sofort in eines der Nebenzimmer verfrachtet hat wo eine Familie saß. In einem anderen Nebenzimmer muss eine Art Männerversammlung statt gefunden haben. Da kamen immer mehr und die Schuhe ließen sie vor der Tür. Was das wohl genau war? Das wir in ein Familien- bzw. Frauenzimmer dieser Gaststätte „verbannt“ worden sind haben wir erst gemerkt als wir dem Kellner nach dem Essen gesagt haben, dass wir unten noch Wasserpfeife rauchen möchten. Der hat uns nur entgeistert angeschaut und gemeint, er bringt sie uns nach oben. Er wollte uns wirklich nicht unten rauchen lassen. Da hätten wir eigentlich selbst drauf kommen können. Konya ist eben eine konservativere Stadt und wir haben abends auch nur noch wenige Frauen auf der Straße gesehen. Auch mit Disco oder so ist da wohl nicht viel und ein Bier wird man auf den wenigsten Speisekarten sehen… Dann haben wir eben oben Nargile geraucht. Da war es eben nur nicht so gemütlich weil unten lauter so kleine Sessel und so standen und wir oben an einem Esstisch saßen. Der Kellner, der vielleicht in unserem Alter war, kam immer wieder und wir haben auch ein paar Worte mit ihm geredet. Als wir gegangen sind hat er uns dann auch prompt seine Visitenkarte in die Hand gedrückt mit Handynummer und allem drum und dran. War lustig.

Wir wurden dieses Wochenende auch noch zwei oder drei Mal mehr angemacht aber man muss echt sagen, dass es viel angenehmer war als anderswo. Die Männer haben nämlich fast augenblicklich aufgegeben wenn man ihnen gesagt hat, dass man einen Freund hat und dass man kein Interesse hat. Es war also echt in Ordnung.

Am Sonntagvormittag haben wir dann noch mal einen Spaziergang um den Aladdin Hügel im Stadtinneren gemacht, wo eine schöne alte Moschee steht und von wo aus man eine nette Aussicht hat. Die vielen Teegärten dort waren leider geschlossen (naja es ist halt Winter) aber im Sommer muss es da echt toll sein.

Gegen Mittag haben wir uns auf die Suche nach dem Kulturzentrum gemacht, in dem die Vorstellung der Derwische stattfinden sollte. Nach kurzem Suchen haben wir sie auch gefunden und waren überrascht von dem modernen großen und ziemlich neuen Bau. Leider mussten wir dann noch ziemlich lange warten. Um ein Uhr hätte es los gehen sollen. Da waren aber noch nicht mal die Hälfte der Zuschauer da. Um zwei war es recht voll schon, aber da kam dann erst noch ein türkischer Sänger, dessen Gesang meine Ohren jetzt nicht wirklich erfreut hat wenn ich ganz ehrlich bin. Aber die anderen Zuschauer waren begeistert. Um halb drei ging es dann endlich los und es war wirklich toll. Die Musik war sehr beruhigend und dann den sich drehenden Tänzern zuzusehen… Ich habe auch ein kleines Video gemacht, dass ich dem einen oder anderen von euch dann mal zeigen kann wenn ich zurück bin.

Am späten Nachmittag waren wir dann Pizza essen und anschließend haben wir unsere Rucksäcke aus dem Hotel geholt. Auf dem Busbahnhof bin ich dann zu einem Schalter gegangen und habe auf Türkisch gefragt von wo denn unser Bus abfährt. Die Gesichter wenn so ein ausländisches Blondchen kommt und die Leute auf Türkisch anspricht sind immer wieder toll ;-). Nach der erwünschten Antwort wurde ich dann tatsächlich gefragt ob ich Türkin sei (also natürlich hat er nicht gemeint, dass ich in der Türkei lebe aber halt ob ich zum Beispiel als Halbtürkin zu Besuch sei oder so&hellip. Das gibt einem immer so ein kleines Hoch wenn man mit seinem Türkisch irgendwie zurecht kommt ohne das Wörterbuch zu benutzen…

Die Heimfahrt war dann wesentlich schlechter als die Hinfahrt. Um acht Uhr ging es los und es wurde ein Film gezeigt: Last Samurai mit Tom Cruise auf Türkisch. Das finde ich immer schön wenn ein Film kommt und man kann das Hörverstehen üben. Aber dieses Mal war ich zu müde. Dann haben wir andauernd angehalten wenn ich kurz vor dem Einschlafen war um noch irgendwelche Leute einsteigen zu lassen oder zu tanken oder sonst was. Einmal stand mitten in der Nacht ein Gendarm vor meiner Nase, mit Waffe und Militäruniform und hat unsere Ausweise kontrolliert. Da war eine Gendarmerie Station mitten in der Pampa und denen war wohl langweilig…

Ich war echt froh als wir am nächsten Morgen um sechs Uhr endlich in Istanbul ankamen. Um halb acht Uhr war ich dann auch schon daheim wo ich erst mal ausgiebig geduscht habe. Anschließend habe ich dann noch einige eurer E-Mails beantwortet und um elf Uhr ging eine ziemlich zerknautschte Birgit in die Uni zu ihrem Türkischkurs. Ich habe dann sogar noch bis abends um elf durchgehalten aber danach habe ich verdammt gut geschlafen!

Das Wochenende war echt schön und hat mich wieder mit der Welt versöhnt nach der Geldbeutelgeschichte letzte Woche… Konya ist zwar eine recht konservative Stadt aber wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und hatten nicht das Gefühl, dass uns jemand blöd angeschaut hat weil wir kein Kopftuch tragen. Und das obwohl außer uns nur ganz wenige westliche Touristen dort waren.

Jetzt kommen dann erst mal meine Eltern und der Steffen. Vielleicht  kommt zwischendrin ein kurzer Blog von mir.

Ansonsten wünsche ich euch allen schon mal ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Alles Liebe,

Birgit

20.12.06 10:07, kommentieren

Mein schöner schöner Geldbeutel! Schluchz!

Letzten Mittwoch bin ich um ein Uhr von zu Hause aufgebrochen um zur Uni zu gehen. Ich bin zur Bushalte gelaufen, in den Bus gestiegen, einmal umgestiegen und dann an der Uni angekommen. In der ersten Zwischenpause um drei Uhr wollte ich Moni bitten, mir etwas zu essen mitzubringen und siehe da: mein Geldbeutel war weg! Meine Freunde meinten, dass ich den sicher zu Hause vergessen hätte und da ich an dem Tag ein bisschen in Eile gewesen war, habe ich es ihnen so halbwegs abgenommen. Ich bin aber trotzdem mit einem ungutem Gefühl im Unterricht gesessen. je später es wurde, desto aufgeregter war ich und desto sicherer, dass ich ihn nicht daheim liegen lassen hatte. Um fünf bin ich dann heim gefahren und Rebecca die Gute ist noch mit zu mir weil ich so aufgeregt war. Und tatsächlich war er weg: mein schöner Geldbeutel!

Wir haben alles abgesucht und er ist nicht mehr aufgetaucht. Jeder, der mich besser kennt, weiß, wie sorgfältig ich mit meinen Sachen bin. Noch nie habe ich ein Handy, einen Geldbeutel oder etwas Ähnliches verloren. Daher lag der Schluss, dass er geklaut wurde nahe! Und gerade hier in Istanbul ist das nun wirklich an der Tagesordnung. Er wurde meinem Kumpel Mirco, dem Vater von meiner Freundin Katharina und der Freundin meines Mitbewohners Yasmin (ihr sogar zwei mal) schon geklaut. Ich habe echt keine Ahnung wie es passieren konnte, ich war in keinem Gedränge oder so und habe echt auf meine Sachen aufgepasst. Aber so was passiert hier wohl eben.

In dem Geldbeutel waren 100 Lira (ca. 50 &euro, mein Studentenausweis, meinen Personalausweis, meine Bankkarte, meine Kreditkarte und meine Aufenthaltsgenehmigung. Daher war der erste Schritt, dass ich die Karten habe sperren lassen. Dazu habe ich die Citibank angerufen und wurde ca. 4 Mal durch die Gegend verbunden, bis alle beide Karten gesperrt und neue beantragt waren. Die Neuen bringen mir dann meine Eltern mit, wenn sie mich nächstes Wochenende besuchen kommen. Solange habe ich glücklicherweise noch meine Raiffeisenbankkarte, die ich nie dabei hatte, weil ich hier nur von der Citibank abgehoben habe (da war es kostenlos).

Donnerstagmorgens bin ich dann erst einmal zu meiner Betreuerin und habe sie gefragt was ich jetzt als nächstes machen soll. Sie war voll lieb und hat mir einen Kakao ausgegeben. Dann hat sie gesagt, ich müsse zur Polizei und das ganze melden, da ich sonst keinen neue Aufenthaltsgenehmigung bekommen würde. So habe ich dann Yusuf angerufen, der 2,5 Stunden später kam und mit mir zur Polizei ist. Das hat sich als klug erwiesen, weil die uns erst gar nicht dran nehmen wollten. Da seien sie nämlich nicht zuständig und wir müssten dahin gehen wo ich den Geldbeutel verloren habe. Da ich das aber doch gar nicht weiß, hat sich Yusuf durchgesetzt und sie haben meinen Fall aufgenommen. Mit der Bestätigung in der Tasche ging ich wieder in die Uni, wo meine Betreuerin mittlerweile herausgefunden hatte, dass ich einige Formulare ausfüllen und damit dann zur Ausländerpolizei gehen müsse um eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen.

So habe ich mich dann am Donnerstag durch die Formulare gewühlt und bin am Freitag morgen losgezogen. Katharina ist netterweise mitgekommen um mich seelisch und sprachlich zu unterstützen! Ich war echt durch den Wind letzte Woche, von daher war das voll gut…

Auf dem Amt habe ich nämlich dann wirklich noch starke Nerven gebraucht! Wir waren so um viertel vor zehn dort und haben uns erst mal dem hier allgegenwärtigen und obligatorischen Sicherheitscheck unterzogen. Nachdem sicher war, dass wir keine Bomben und auch kein MG dabei hatten durften wir ins Gebäude. Dort wurde erst einmal unser Pass begutachtet und registriert, dass wir jetzt auch wirklich da sind (für den Fall dass wir uns irgendwo verstecken und aus einem Kugelschreiber und ein bisschen Knetgummi eine Bombe basteln könnten). So weit so gut. Dann haben wir auf einer schönen Hinweistafel sogar noch auf Anhieb gefunden wo die Abteilung ist, zu der wir mussten. Das war zu viel des Guten, so konnte es schließlich nicht weiter gehen.

Dort angekommen gab es nämlich ca. 10 verschiedene Schalter für verschiedene Angelegenheiten: Erstantrag, Verlängerung, Kasse und und und. Leider aber keinen für Leute, deren Aufenthaltsgenehmigung verloren gegangen oder geklaut worden ist (kommt ja hier so selten vor oder was?). Also haben wir uns eben auf gut Glück einige Minuten lang wo angestellt bis uns aufgefallen ist, dass die ganzen anderen Leute kleine Zettel mit Nummer haben. Da hätten wir auch gleich dran denken können, aber wir waren an keinem Automaten vorbeigekommen. Auf Nachfrage wurde uns gesagt wo wir eine bekommen können: einfach fünf mal um die Ecke den Gang entlang und da wo es am dunkelsten ist und du es gar nicht erwartest. ;-)

Das Schärfste war, dass ich einen Automaten erwartet hatte. Aber Birgit! Nicht doch bei der Polizei! Bei der Post oder der Bank ja, aber bei der Polizei doch nicht! Tztztz. Schade, dass ich das nun wirklich nicht fotografieren konnte, aber da saß im letzten Eck eine Polizistin auf einem Stuhl und hatte drei oder vier verschiedene kleine Blöckchen auf die sie selbst die Nummern schrieb. Ein Block für jede Art von Schalter. Nach einem kurzen Blick auf mein eigens verfasstes türkisches Bittschreiben (drei fehlerfreie Zeilen da von Yusuf korrigiert) hat sie mir dann einen Zettel in die Hand gedrückt, der mich dazu berechtigte, mich bei der Erstbeantragung anzustellen. Und wie habe ich mich gefreut als ich da die zweite war und sofort dran kam. Und wie habe ich geflucht als ich weiter geschickt wurde und zwar so, dass ich kein Wort verstanden habe. Aber mit einigen eloquenten Gesten und dem mehrfachem Wiederholen des Wortes Index Cards Office wurde mir / uns dann klar, wo ich hinsollte. In diesem Miniraum war eine lange Theke mit drei Polizisten. Die hatten immer so lange einen Heidenspaß miteinander bis der Chef außen mal wieder vorbei lief. Alle „Kunden“ in diesem Raum wurden die Theke entlang weitergeschoben und wenn man Glück hatte (so wie ich) bekam man von jedem der netten Männer einen Stempel oder zwei!

Dann bin ich also zurück zu meinem ersten Polizisten. Dort habe ich einige Zeit gewartet, brav in der Schlange. Freudig habe ich seinem Kollegen meine Papiere entgegen gestreckt  mit der Erwartung: Stempel  = Aufenthaltsgenehmigung. Wieder ein Irrtum, denn dafür wollte der gute Mann nicht verantwortlich sein. Da hat er mich gleich mal zu den drei Verlängerungsschaltern geschickt, von denen nur zwei besetzt waren und eine ganz schöne Schlange war…Nach einigen Minuten ist mir aufgegangen, dass ich schon wieder keine Nummer hatte. Mist! Also bin ich zu der netten Dame mit den Nummern und habe mit Bestimmtheit sagen können, dass ich eine Nummer für die Verlängerungsschalter brauche. Und soll ich euch was sagen: Das hat sie mir nicht geglaubt! Sie hat mit mir das Diskutieren anfangen wollen, wobei sie mit meinen miserablen Türkischkenntnissen und meinen blanken Nerven nicht gerechnet hatte. Irgendwann habe ich ihr dann solange mein Bittschreiben unter die Nase gehalten bis sie es auch gelesen hat und mir zugestimmt hat, dass ich tatsächlich eine Nummer für die Verlängerungsschalter benötige. Und da gab sie mir die Nummer 66. Die weitreichende Bedeutung dieser Nummer wurde mir klar, als ich zum Schalter kam und gerade jemand mit der Nummer 43 oder so dran war… heul! Also haben wir gewartet und gewartet und gewartet und immer wenn wir der 66 näher gekommen sind tauchte wie von Zauberhand wieder jemand auf, der irgendwoher die Nummer 23 hatte… Und genau dann hat es meistens besonders lange gedauert L. Schließlich war es kurz nach zwölf Uhr und die Nummer 65 war an der Reihe! Mensch habe ich mich gefreut. Und dann sagt der gute Mann irgend etwas von Mittagspause und nach eins dann wieder und schwupps waren alle anderen aus der Schlange verschwunden. Ich hatte gar keine Lust bis nach der Pause zu warten und habe deshalb einfach auf dumm gemacht und bin stehen geblieben. Und tatsächlich hat er sich meine Sachen noch angeschaut. Und mir dann gesagt, dass ich nach eins wieder kommen muss…Freunde, ich kann euch sagen, das war der Punkt an dem ich echt keinen Bock mehr hatte. Also gut, habe ich eben bis ein Uhr gewartet und mich in der Zwischenzeit von so einem affektiertem deutschen Ingenieur oder so volltexten lassen. Und dann war ich tatsächlich fast gleich an der Reihe. Und der gute Mann hat gemacht was ich erwartet hatte: mein Zeugs bearbeitet und mich an den nächsten Schalter geschickt. Dort haben sie mir dann aber glücklicherweise nur noch 35 € an Gebühren abgenommen und mir einen Abholschein in die Hand gedrückt. Um 13:45 habe ich den Himmel wieder sehen können!!! Mensch war das schön!

Nächste Woche kann ich dann hin und mir die neue Aufenthaltsgenehmigung abholen. Schade, dass ich das alles weder filmen noch fotografieren konnte… Das wären Erinnerungsfotos geworden.

Aber Leute: eigentlich ist es doch auf einem deutschen Amt manchmal auch nicht viel anders oder? (Guckt nicht so böse Sandra und Steffie und Dani, euch meine ich nicht!!!). Da versteht man oft auch kein Wort von dem, was die einem da sagen, selbst wenn es in deutsch ist ;-).

In diesem Sinne drückt mir die Daumen für meinen nächsten Amtsbesuch!

(Übrigens: Kennt jemand von euch den Asterix-Film in dem er durch so ein altes römisches bürokratisches Amt hechtet um einen Antrag zu bekommen und dabei halb irre wird? der ist echt gut&hellip

Liebe Grüße

Birgit

 

1 Kommentar 18.12.06 17:55, kommentieren

Ankara`ya gittik

Hallo ihr Lieben!

 

Dieses Wochenende habe ich es geschafft, mir mit drei Freundinnen (Rebecca, Katharina und Julia) die Hauptstadt Ankara anzusehen. Ankara ist 450 km von Istanbul entfernt und hat ca. 4 Millionen Einwohner (Istanbul um die 15). Wir sind freitagabends um zehn Uhr mit dem Zug gestartet und Samstag früh um acht angekommen. Der Zug war überraschenderweise sehr modern und vor allem die Sitze waren echt riesig. Man kann damit also recht komfortabel reisen und dann ist es auch noch total billig. Wir haben für den Hinweg ca. acht Euro gezahlt. Damit kommt man in Deutschland bei der Bahn nicht sehr weit… Julia und ich hatten das Glück, das die Reihe hinter uns dann auch noch um drei Uhr nachts frei wurde so dass jede von uns sich dann über eine Reihe ausbreiten und noch einmal vier Stunden wie in einem Bett schlafen konnten (naja fast).

Samstag haben uns dann Freunde von Rebecca am Bahnhof mit dem Auto abgeholt. Das war echt gut, weil der ziemlich außerhalb war und es auch ganz schönkalt war. Die Freunde, die jetzt auch ein bisschen die von uns allen sind, waren Elina und Marc. Elina studiert an der gleichen Uni wie Rebecca, macht aber ihr Erasmus Jahr in Ankara an der Bilkent Universität. Dort hat sie ihren Freund Marc kennen gelernt, der trotz des Namens Türke ist aber dank der englischsprachigen Schule an der er war richtig gut Englisch spricht… In Marcs Wohnung durften wir netterweise dann auch von Samstag auf Sonntag übernachten. Die beiden haben sich auch das ganze Wochenende ganz lieb um uns gekümmert und uns herumgeführt.

Erst einmal konnten wir aber unsere Sachen in Marcs Wohnung ablegen. Nachdem wir uns alle mal kurz im Bad ein bisschen frisch gemacht hatten sind wir los zum Frühstücken. Sie haben uns ein richtig nettes Cafe gezeigt wo man echt günstig einen großen Frühstücksteller bekommen konnte. Wir hatten alle voll Hunger und haben es uns erst Mal richtig schmecken lassen…

Danach sind wir ca. 30 Minuten durch die Stadt gelaufen, hin zum Anit Kabir. Das ist die Stätte, an der das Mausoleum von Atatürk steht. Falls es jemand noch mal wissen will: er ist der Gründer der türkischen Republik (1923) und er ist hier echt ein Heiliger. Wenn ihr jetzt denkt: „ach, Mausoleum, gääähn“, dann liegt ihr falsch. Der Bau dem die ihm hingeklotzt haben, hätte auch griechischen Göttern alle Ehre gemacht. Es ist wirklich riesig und sieht schon toll aus (Fotos auf Ringo). Dazu ist dann dort auch noch ein Museum untergebracht, das zwar ganz schön gemacht ist aber teilweise ein bisschen zu ausschweifend und kitschig ist (naja, vielleicht für meinen deutschen Geschmack?). Von außen denkt man, es ist klein, aber wenn man erst mal drinnen ist erweist es sich als unendlich langer Gang, durch den man auch ganz durch muss weil es keine Abkürzungen gibt. Am Mausoleum war auch richtig was los. Da sind echt viele Türken gewesen und halt auch Schulklassen und so. Als wir aus dem Museum raus sind saßen wir auf Steintreppen und neben uns eine Horde türkischer Teenies. Die waren total fasziniert von uns, es war mir echt schon richtig peinlich. Die konnten dann auch ein paar Wörter deutsch und waren total stolz, die an uns auszuprobieren. Ich war auf einmal so halbwegs mitten zwischen ihnen und froh als sich Katharina meiner erbarmt und mir ein wenig bei der Konversation geholfen hat. Noch froher war ich, als wir dann weiter sind. J

Anschließend sind wir mit dem Taxi nach Ulus, dem Burgviertel gefahren. Da stehen die Überreste einer mittelalterlichen Burg und außen herum und in den Burgmauern stehen Häuschen, die genauso alt aber weitaus weniger charmant wirken. Auf deutsch: das ist die Gegend, in der die Leute nicht leben sondern hausen. Es sieht da echt schlimm aus, alles ist alt und verfallen, kaputte Fensterscheiben, blanke Mauern. Ich würde mal sagen, da ist Armut pur. Die wenigen Leute die wir auf der Straße sahen waren alte Frauen, die selbstgemachten Schmuck verkauften und kleine Kinder, die Fußball gespielt haben. Es handelt sich hier echt um ein großes Gebiet. Wenn man auf der Burgmauer stand konnte man gut auch nochmals den Kontrast zwischen den Massen an Regierungsgebäuden (modern, riesengroß, manche etwas militärisch angehaucht und fast bedrohlich wirkend) in der Ferne und dem Gecekondu (dem türkischen „Slum&ldquo im Umfeld der Burg sehen.

Der Rest der Stadt wirkt übrigens fast wie eine deutsche Stadt, vor allem die Wohngegenden. Das liegt daran, dass die Stadt von deutschen und schweizer Stadtplanern entworfen wurde. Ankara ist also komplett anders als Istanbul.

Im Anschluss haben die beiden uns ihre Universität gezeigt. Das war schon recht beeindruckend. Es ist nicht nur eine Uni dort sondern es ist ein riesiges Gelände, fast ein Städtchen und es ist in Privatbesitz. Dort befindet sich ein großes Einkaufsgebiet mit Mall, sogar ein Praktiker lässt sich finden. Es gibt Wohnhäuser, Geschäfte und und und… Für die Studenten gibt es eigens ein gratis Fitnesstudio (und frage nicht wie das ausgestattet war, echt hammer!) und noch viel viel mehr… Man kann sich das so gar nicht vorstellen aber es ist echt krass. Das Ziel war angeblich mal irgendwann einen Wohnort für Wohlhabende und Gebildete Leute aufzubauen und das ist denen glaube ich ganz gut geglückt… Es ist alles sehr modern.

Trotz allem bin ich froh in Istanbul zu sein, da die Bilkent Uni doch ein bisschen außerhalb liegt und man mit einem Shuttlebus (der nicht soooo oft fährt) oder dem Taxi auskommen muss. Zudem gefällt mir die Stadt hier einfach besser. Und ich habe das Gefühl es gibt hier viel mehr zu sehen. Ich fühle mich halt hier jetzt auch einfach schon so wohl.

Was noch dazu kommt (und das sagt auch Marc, der eigentlich aus Izmir kommt) ist, dass das Umland von Ankara echt nicht so toll ist. Da ist nämlich nichts, wirklich nichts. Keine Stadt, kein Wald, kein gar nichts. Nur Hügel und Steppe und es ist alles grau und steinig.

Samstag abend waren wir dann in einer Kneipe, in der ganz viele Studenten von der Bilkent waren und richtig abgefeiert haben. Rebecca auch und Julia teilweise, aber Katharina und ich hatten keine Lust was zu trinken und waren einfach viel zu kaputt (da hätte echt dann nur noch der eine oder andere Tequila geholfen und da hatten wir in dem Moment keine Lust darauf). Wir haben uns dann aber trotzdem gut amüsiert indem wir ein Bier getrunken und die Leute beobachtet haben. Das hat auch Spaß gemacht, was man da so alles sieht wenn man da so sitzt ;-). Da war echt ganz schön was los (ein Abschleppunternehmen ist ein Dreck dagegen).

So um zwei Uhr waren wir dann aber auch schon daheim und haben am nächsten Tag erst mal richtig ausgeschlafen. Da haben wir auch nicht mehr viel machen können, weil wir zurück mit dem Bus gefahren sind und der schon um vier Uhr abfuhr… Aber für ein gemütliches Pizza essen, einen kleinen Spaziergang und einen Kaffee bei Starbucks hat es gereicht. Aber ein bisschen Trödeln muss ja auch mal sein, oder?

Fazit: Es war schön, Ankara mal gesehen zu haben, aber ein Wochenende reicht meiner Meinung nach dafür.

Nächstes Wochenende fahre ich übrigens mit Julia nach Konya. Mal sehen, wie es uns dann da so gefällt.

Sonst gibt es nicht viel Neues. Ich habe letzte Woche endlich auch mal zwei gute Prüfungen heraus bekommen und mich gefreut. Heute hatte ich meine letzte Zwischenprüfung und sie ist ganz gut gelaufen. Morgen werde ich vermutlich VWL heraus bekommen und das ist nicht gut. Die Lehrerin hat gesagt, der Schnitt liegt bei 30 %. Krass oder? Da war ich wohl nicht die einzige, die ins Klo gegriffen hat ;-).

Also nächste Woche ein Bericht aus Konya, versprochen!

Liebe Grüße

Birgit

1 Kommentar 11.12.06 19:07, kommentieren